Die Konsequenzen der Buchgeldschöpfung in Kombination mit dem Zinseszins, sind ständig wachsende Schulden, extreme Vermögensverteilung, ständige Umverteilung von den Fleißigen zu den Reichen, Wachstumszwang und Umweltzerstörung, die latente Gefahr eines Systemzusammenbruchs und Konkurrenzdruck. Den Menschen in den Spitzenpositionen der Gesellschaft scheint das nicht klar zu sein, weshalb sie aus ihren bestehenden Vorstellungen von Wirtschaft heraus, bewusstlos immer wieder Dasselbe machen, und damit immer größere Schwierigkeiten verursachen. Vielleicht ist dem einen oder anderen an der Spitze aber auch klar, wie der Mechanismus funktioniert und er nutzt dieses Wissen, um sich selbst, auf Kosten der Allgemeinheit, zu bereichern.
von Michael Plein | 6. September 2024
Anhand der bisher angestellten Überlegungen zur Buchgeldschöpfung und dem Zinseszinsmechanismus, lässt sich schlussfolgern, dass die Schulden und die Vermögen sich spiegelbildlich und exponentiell entwickeln müssten, so wie es Abbildung 12 andeutet. Spiegelbildlich deshalb, weil alles Geld in der Buchhaltung als Aktiva und Passiva, als Forderungen und Verbindlichkeiten verbucht wird. Das bedeutet die Vermögen des einen sind immer die Schulden des anderen. Die exponentielle Entwicklung müsste daher kommen, dass die Vermögen verzinst werden und auch auf bereits gezahlte Zinsen wieder Zinsen gezahlt werden, was das vorher besprochene exponentielle Wachstum und damit auch einen Zwang zum Wachstum zur Folge hätte.[1]
Der deutsche Wirtschaftsanalytiker und Publizist Helmut Creutz hat über die Jahre von 1950 bis 2010 die Monatsberichte der Deutschen Bundesbank ausgewertet, um daraus einen Vergleich der Entwicklung der Geldvermögen und der Schulden zu erstellen.[2] Durch seine Auswertungen lässt sich belegen, dass die Summe der Schulden spiegelbildlich zur Summe der Vermögen wächst. Das Wachstum von Vermögen und Schulden zeigt dabei im Trend einen exponentiellen Verlauf.
Creutz hat auch ausgewertet, wie sich Schulden und Vermögen auf Privathaushalte, Unternehmen und Staat verteilen. Der Großteil der Vermögen befindet sich nach seiner Auswertung in privater Hand, während ein Großteil der Schulden zu Lasten des Staates und der Unternehmen geht. Die in den 1950er und 1960er Jahren noch hohen Geldvermögen des Staates, gingen seit den 1970er Jahren in eine Verschuldung über. Genauso wird die Verschuldung der Unternehmen immer größer, während das Vermögen der Privathaushalte steigt.
Dabei ist aber nicht davon auszugehen, dass diese hohen Vermögen allen privaten Haushalten zu gleichen Teilen zur Verfügung stehen. Die Verteilung der Vermögen bei den Privathaushalten ist nämlich sehr ungleich, was im Folgenden noch gezeigt wird. Außerdem ist die Verschuldung des Staates vor allem von denjenigen zu tragen, die für ihr Geld arbeiten und Einkommenssteuer oder Körperschaftssteuer bezahlen. Die Verschuldung der Unternehmen belastet ebenfalls die Allgemeinheit, weil Kosten für die Zinsen auf diese Schulden in die Produktpreise eingerechnet und damit an die privaten Haushalte durchgereicht werden.
Für die meisten Leute ist es selbstverständlich, dass man seine Schulden nicht nur abbezahlen muss, sondern dass man darauf auch Zinsen bezahlt. Man zahlt also direkt Zinsen auf seine privaten Schulden. Was die meisten Leute nicht wissen ist, dass ausnahmslos jeder Privathaushalt, ob er private Schulden hat oder nicht, versteckte Zinsen für die Schulden der Unternehmen und des Staates zahlt. Dabei sind für 80% der Haushalte die Zinsausgaben höher als die Zinseinnahmen. Das fällt in der Regel aber nicht auf, weil diese Zinsen versteckt und nicht direkt z.B. auf einer Abrechnung sichtbar sind.[3] Helmut Creutz hatte 1984 zum ersten Mal den Versuch gemacht, zu berechnen wie hoch die Belastung durch direkte und indirekte Zinsen je Haushalt ist. Er ist damals – und auch bei späteren Analysen – zu dem Ergebnis gekommen das der Zinsaufwand bei 30% bis 40% der Gesamtausgaben liegt.[4]
Das bedeutet, dass ein Haushalt der 2.500 Euro im Monat ausgibt (30.000 Euro im Jahr, bundesdeutscher Durchschnitt im Jahr 2022 waren 2.850 Euro pro Monat bzw. 34.200 Euro im Jahr[5]), ca. 10.500 Euro im Jahr für Zinsen aufwenden muss, wenn direkte und indirekte Zinsen mit durchschnittlich 35% berechnet werden. Dabei zahlen auch diejenigen Zinsen, die keine Schulden haben. Denn der Staat, Unternehmen und Vermieter kalkulieren ihre Zinsaufwendungen in Steuern, Produktpreise und Mieten mit ein. Am Ende zahlt immer der private Haushalt diese Zinsen.[6]
Ein Arbeitnehmer in einem Haushalt ohne Sparquote – das bedeutet alles eingenommene Geld wird für Konsum wieder ausgegeben – würde also ca. 4 Monate bzw. 10-15 Stunden pro Woche ausschließlich für den Zinsendienst arbeiten, auch ohne eigene direkte Schulden zu haben und ohne dabei einen Cent Steuern bezahlt zu haben. Um den Zinsaufwand auszugleichen, müsste der Haushalt z.B. über ein zu 2% p.a. verzinstes Vermögen von 525.000 Euro verfügen. Erst dann würden den 10.500 Euro Zinsaufwand auch 10.500 Euro Zinseinnahmen (ohne Berücksichtigung der Kapitalertragssteuer) gegenüberstehen.
Möchte der Haushalt seine gesamten Ausgaben aus Zinseinnahmen finanzieren, also sozusagen ein Grundeinkommen erhalten, müsste er z.B. über 1.500.000 Euro verfügen, die er zu 2% p.a. verzinsen kann.
Über 80% der Haushalte haben aber keine oder kleine Vermögen, so dass sie die Belastung durch direkte und indirekte Zinsen nicht ausgleichen können, und zu den Verlierern dieser Umverteilung gehören. Denn 80%-90% der armen (unter 1.000 Euro Monatseinkommen netto) und mittleren Haushalte (mit durchschnittlichen Monatseinkommen um 2.500 Euro netto) haben Verluste aus Zinsen, während 10-20% der reichsten Haushalte Gewinne aus Zinsen erhalten. Das Sprichwort »Der Teufel scheisst immer auf den größten Haufen« bringt deutlich bis derb zum Ausdruck, dass je reicher man ist, man um so mehr an diesem Zinseszinsmechanismus profitiert.[7]
Durch Zinsen und indirekte Zinsen werden Geldvermögen laufend und mit wachsender Dynamik von den Fleißigen zu den Reichen umverteilt. Für die in Abbildung 14 gezeigte Auswertung, wurden 38 Millionen Haushalte in Deutschland auf 10 Gruppen aufgeteilt, wobei Gruppe 1 die 10% der ärmsten Haushalte repräsentiert und Gruppe 10 die 10% der reichsten Haushalte. Untersucht wurden die jährlichen Ausgaben der Haushalte, im Vergleich zu Ihren Zinslasten (schwarz), Zinseinkommen (grau) und den sich daraus ergebenden Verlusten oder Gewinnen. Für die Zinslasten wurde eine durchschnittliche Belastung in Höhe von 35% der Haushaltsausgaben zugrunde gelegt.[8]
Deutlich erkennbar ist, dass die durch den Zinseszins verursachte Umverteilung für 80% der Haushalte ein Verlustgeschäft ist. Besonders betroffen ist hier die sogenannte Mittelschicht. Erst die Gruppe 9 verfügt über nennenswerte Einnahmen aus Zinsen und erwirtschaftet einen kleinen Überschuss. Lukrativ ist diese Umverteilung allein für die reichsten 10% der Haushalte, die nicht nur einen deutlichen Gewinn erwirtschaften, sondern sogar so hohe Zinseinnahmen haben, dass sie damit ihre gesamten Haushaltsausgaben finanzieren können. Das ist ein »Arbeitslosengeld« oder eine »Rente« für Reiche, dass von den anderen 9 Haushaltsgruppen finanziert wird. Die Verluste der unteren 9 Gruppen sind die Gewinne oder obersten Gruppe 10.
Diese Art von Transferleistung summierte sich zum Beispiel im Jahr 2007 auf rund 700 Millionen Euro täglich.[9] Das wären im Durchschnitt 7 bis 8 Euro pro Tag und Person, die 90% der Bürger – egal ob Arbeitnehmer, Arbeitslose, Selbstständige, Rentner, Schüler oder Kleinkinder – für den Zinsendienst abgelten. Für eine vierköpfige Familie summieren sich diese versteckten Abgaben auf über 800 Euro im Monat. Die exponentielle Entwicklung des Zinseszins sorgt im Laufe der Zeit dafür, dass dieser Umverteilungsprozess immer extremer wird.
Diese »Umverteilung von fleißig nach reich« macht auch deutlich, dass es um die Chancengleichheit nicht gut bestellt ist. Ob eine Person zu großem monetärem Wohlstand gelangt, ist allgemein nicht davon abhängig, wie gut ausgebildet, wie intelligent, talentiert, kreativ oder fleißig jemand ist. Entscheidend ist viel eher, über wieviel »Kapital« die oder der Einzelne verfügt. Zum Glück bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel.[10]
In den Medien und in privaten Diskussionen vernimmt man oft Schelte für die Millionen von Menschen, die Bürgergeld erhalten, da deren Transfereinkommen die Allgemeinheit zu tragen hat, und so die Fleißigen die vermeintlich Faulen finanzieren. Für Bürgergeld wurden im Jahr 2023 rund 42,6 Milliarden Euro [11] Bundesmittel aufgewendet. Der deutsche Staat war zum Ende 2022 mit 2,56 Billionen Euro verschuldet und musste für die Verzinsung auf die Bundesschuld ca. 40 Milliarden Euro[12] aufwenden. Diese Zinszahlungen stiegen seit dem Jahr 2022 deutlich an, weil eine Niedrig- bis Null-Zinsphase zu Ende ging. Es ist also zu erwarten, dass die Zinsen für die Staatsschulden in den kommenden Jahren deutlich höher ausfallen. Die Fleißigen, die, die für ihr Geld arbeiten müssen, finanzieren also mit ca. 40 Milliarden Euro vielen armen Menschen ein niedriges arbeitsloses Einkommen und mit weiteren 40 Milliarden Euro, wenigen Reichen ein hohes arbeitsloses Einkommen.
Betrachtet man die Vermögensverteilung in Deutschland, wird deutlich, dass die Vermögen sehr ungleich verteilt sind. Im Jahr 2017 lag das gesamte Nettovermögen in Deutschland bei 7,8 Billionen Euro – im Durchschnitt 108.000 Euro je erwachsene Person. Aber diese Durchschnittsangabe hat, wie die weitere Betrachtung zeigt, wenig mit der Realität zu tun. In Abbildung 15 werden alle Haushalte in zehn gleich große Gruppen eingeteilt und nach der Höhe ihres Nettovermögens geordnet. Während die ärmsten und mittleren fünf Gruppen über Schulden, keine oder sehr kleine Vermögen verfügen, konzentrieren sich über 55% des Vermögens auf die reichsten 10%.[13] Auch in dieser ungleichen Verteilung von Vermögen spiegelt sich erneut der Zinseszins-Effekt mit seiner exponentiellen Entwicklung.
Abbildung 16 zeigt die Vermögensverteilung in Deutschland 2017, einschließlich der Hochvermögenden, woraus sich ein noch extremeres Bild ergibt. Die Top 1%, das sind ca. 800.000 Personen, verfügen mit 2,75 Bio. Euro (ca. 3,4 Mio. Euro pro Person) gemeinsam über mehr Vermögen als 90% der Bevölkerung. Die ärmsten 50% und die mittleren 40%, das sind 72,8 Mio. Personen, besitzen zusammen mit 2,6 Bio. Euro, etwas weniger. Die ärmsten 50% haben am Gesamtvermögen einen Anteil von nur 1,3%, das sind insgesamt 101,4 Mrd. Euro, bzw. 2.473 Euro pro Person. Der Zinseszins sorgt laufend und mit wachsendem Tempo dafür, dass diese Ungleichheit weiter zunimmt. Die »Schere zwischen Arm und Reich« geht deshalb immer deutlicher auf.
Trotz fortwährendem Wirtschaftswachstum, steht der Allgemeinheit immer weniger Geld zur Verfügung, weil es durch den Zinseszins zu einigen wenigen umverteilt wird. In der Abbildung 17 zeigt die durchgezogene Linie die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der Bundesrepublik Deutschland von 1950 bis 2023.[14] Das BIP gibt den Gesamtwert aller Waren, Güter und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres in der deutschen Volkswirtschaft hergestellt wurden.[15] Es lässt sich gut erkennen, dass die Deutsche Wirtschaft in der Tat sehr leistungsfähig ist und im Trend ein ständiges Wachstum erbracht hat.
Zusätzlich wird mit der gestrichelten Kurve der exponentielle Verlauf einer angenommenen Zinsbelastung (hier mit durchschnittlich 7% p.a.) gezeigt. Dabei ist es unerheblich, ob der Anfangswert und der durchschnittliche Zinssatz für diesen Verlauf sich auf konkrete statistische Werte beziehen. Die Entwicklung der Zinsezins-Kurve ist in jedem Fall exponentiell und wird früher oder später die Höhe des BIP übersteigen. Dieser Schnittpunkt wird hier als »Nichts-Punkt« bezeichnet, da ab hier alle erwirtschafteten Werte für Zinsen aufgewendet werden müssten. Ab diesem Punkt bleibt also nichts mehr übrig und nichts geht mehr – man kann ab dem »Nichts-Punkt« nicht mehr mit den bestehenden Vorstellungen von Arbeit, Geld und Wirtschaft weiter machen. In Volkswirtschaften mit einem verzinsten Schuldgeld-System ist dieser Systemzusammenbruch in der Regel nach 60 bis 80 Jahren zu erwarten. Das Zinssystem macht das Geld und den Sozialen Organismus krank, so dass das Ganze, rein mathematisch, nach einigen Jahrzehnten kollabieren muss.[16]
Die Grafik erklärt auch sehr anschaulich, warum der Allgemeinheit immer weniger Geld (graue Fläche) zur Verfügung steht, obwohl die Wirtschaftsleistung weiter steigt. Es wird nämlich immer mehr Geld für Zinsen abgeschöpft und diejenigen die es gewinnen, haben so viel, dass sie es nicht mehr verkonsumieren können oder es weltweit »investieren« und so das Geld nicht im Umlauf bleibt.
Weil dieses Geld fehlt, erhöht sich z.B. der Druck auf Löhne, werden Autobahnbrücken nicht mehr saniert, verfällt die Infrastruktur z.B. der Bahn und Straßennetze oder es werden aufgrund von Kostendruck minderwertige und schädliche Produkte hergestellt.
Der Staat ist dann zur »Austeritätspolitik«, einer Sparpolitik, gezwungen, die zur Folge hat, dass er seine öffentlichen Aufgaben nicht mehr wahrnehmen kann, weil die finanziellen Mittel fehlen.[17] Es wird auch deutlich, warum von der Politik immer weiteres Wachstum gefordert wird. Es geht nicht darum Arbeit zu schaffen, um den Wohlstand der Bevölkerung zu mehren. Zweck des Wachstums ist es, die fälligen Zinsen zahlen zu können, die dann als Kapitalertrag einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung wieder reicher und mächtiger machen.
Das folgende und sehr vereinfachte Beispiel soll erklären, warum aufgrund der Tatsache, dass das Geld für Zinsen nie geschöpft wird, im heutigen Geldsystem immer ein systemischer Mangel an Geld besteht, dessen Folgen Wachstumszwang und Konkurrenzdruck sind:
Auf einer Insel leben insgesamt zehn Einwohner, die gemeinsam Wirtschaften. Auf dieser Insel gibt es eine Bank von der ein neues Währungssystem eingerichtet wird. Nun wird zum ersten mal Geld in Umlauf gebracht, indem jeder Einwohner kreditiert wird. Zu Beginn erhält jeder Einwohner 100 Geldeinheiten (GE) Kredit, der zu 10% p.a. verzinst wird. Nachdem alle Kredite vergeben sind, sind insgesamt 1.000 GE im Umlauf, mit denen die Einwohner der Insel ihre Wirtschaft betreiben können. Dabei werden im Laufe des ersten Wirtschaftsjahres manche zu etwas mehr Geld kommen und andere werden etwas verlieren. Es wird Überschüsse und Unterschüsse geben, weil sich manche Produkte zu Preisen verkaufen lassen, die über den Herstellungskosten liegen, und andere Leistungen, wie z.B. eine Krankenpflege oder ein Grundschulunterricht können oder sollen nicht kostendeckend verkauft werden.
Nach einem Jahr werden die Kredite fällig. Jeder Einwohner muss die 100 GE zuzüglich 10 GE Zinsen an die Bank zurück bezahlen. Unabhängig davon, ob der Einzelne über 110 GE verfügt, müssen insgesamt 1.100 GE an die Bank zurückbezahlt werden, obwohl sich nur 1.000 GE im Umlauf befinden. Die 100 GE für die Zinszahlungen wurden am Anfang nicht geschöpft. Diese Situationen erzeugt einen »künstlichen« Geldmangel, den es ohne die Verzinsung der Kredite nicht gäbe. Die Wirtschaftsteilnehmer müssen nun in Konkurrenz zueinander treten, um sich gegenseitig das »fehlende« Geld abzunehmen. Entweder wird ein Einwohner ganz zahlungsunfähig oder es sind mehrere Einwohner von einer teilweisen Insolvenz betroffen.
Anstatt die Kredite nach einem Jahr zu Tilgen, können die Kredite verlängert werden. Das verschlimmert allerdings das Problem, denn nun müssen entsprechend höhere Kredite gegeben werden. Wie bereits gezeigt wurde, wird die Zinslast exponentiell steigen. Um diese irgendwie zu bewältigen, muss also auch die Wirtschaftsleistung steigen, denn nur mit der Aussicht auf steigende Umsätze und Gewinne wird die Bank erneute Kredite bewilligen.
Die Wirtschaft der Insel ist also gezwungen mengenmäßig zu Wachsen, um die immer weiter steigende Schuldenlast zu bewältigen. Weder die gegebenen Kredite noch die darauf anfallenden Zinsen können jemals zurückbezahlt werden[18]. Die Bewohner der Insel werden wahrscheinlich nicht nur immer stärker miteinander konkurrieren und dabei auch zu unmoralischen Mitteln greifen müssen, sondern sie werden auch die Natur ausbeuten, weil der Wachstumsdruck sie zwingt sich an kurzfristigen Profiten statt an nachhaltigen Entwicklungen zu orientieren. Der soziale Zusammenhalt wird durch asoziales und egoistisches Verhalten verdrängt werden. Die Arbeitsbedingungen und die Möglichkeiten zur Regeneration und Weiterbildung werden sich verschlechtern.[19] Darüber hinaus müssen die Einwohner der Insel ihr Eigentum als Sicherheit an die Bank übereignen. Für den sicher eintretenden Fall, dass sie irgendwann ihre Kredite nicht mehr tilgen und ihre Zinsen nicht mehr zahlen können, fällt das Eigentum an die Bank.
Eine interessantes Gleichnis zu diesem Thema ist die Vorstellung, alle Menschen in Deutschland würden Löcher graben. Es gibt so viele Löcher, in denen jeweils Einer gräbt, dass kein Platz mehr vorhanden ist, um die ausgehobene Erde zu lagern. So fällt also immer etwas Erde in die benachbarten Löcher, was aber nicht bemerkt wird, weil alle Leute fleißig graben. Manche sind etwas leistungsfähiger und es scheint so, als würde ihr Loch schneller größer werden als das der Nachbarn. Mancher staunt und bewundert die mit den besonders großen Löchern. Andere schimpfen über die, die »faul« sind, nicht schnell genug graben, womöglich Pausen machen und deshalb nur kleine Löcher haben. Die Aufsicht über das ganze Treiben führen die Herren in Anzug und Krawatte von der Bank, und während alle ihre Löcher graben, kommt langsam Erschöpfung auf und eine Ahnung, dass das mit der Praxis des Löcher grabens, wahrscheinlich etwas nicht stimmt. Aber weil man so beschäftigt damit ist, Löcher zu graben, hat man keine Zeit – und kein Geld – sich neue und weitergehende Gedanken über das Leben zu machen.
Senf 2014, S. 41 f.
Creutz 2012, S. 228 f.
Kennedy 2006, S. 27–32
Creutz 2012, S. 283
Statistisches Bundesamt: „Konsumausgaben privater Haushalte in Deutschland",
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Einkommen-Konsum-Lebensbedingungen/
Konsumausgaben-Lebenshaltungskosten/Tabellen/privater-konsum-d-lwr.html (Abruf 4.9.2024, 15:20)
Creutz 2012, S. 115
Creutz 2012, S. 131
Creutz 2012, S. 281–284
Creutz 2012, S. 285 f.
Lietaer 1999, S. 138
Deutscher Bundestag: „Kurzmeldungen – Ausgaben für das Bürgergeld“,
https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-1013412 (Abruf 5.9.2024 10:30)
Institut der deutschen Wirtschaft: „Gründe für den starken Anstieg der Zinsausgaben beim Bund", https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/Kurzberichte/PDF/2023/ IW-Kurzbericht_2023-Zinsausgaben-Bund.pdf (Abruf 5.9.2024 10:45)
Bundeszentrale für politische Bildung: „Vermögensverteilung“,
https://www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/
vermoegensverteilung/ (Abruf 2.9.2024 11:00)
Destatis Statistisches Landesamt: „Inlandsproukt“ von 1950 bis 2013, https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/VGR/Inlandsprodukt/Inlandsprodukt.html (Abruf 10.08.2014 08:30) Statista: „Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland von 1991 bis 2023“, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1251/umfrage/entwicklung-des-bruttoinlandsprodukts-seit-dem-jahr-1991/ (Abruf 5.9.2024 11:30)
Gabler Online: „Bruttoinlandsprodukt (BIP)“,
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/
bruttoinlandsprodukt-bip-27867/version-251509 (Abruf 6.9.2024, 10:30)
Senf 2014, S. 41
Gabler Online: „Austerität“,
https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/austeritaet-52668/version-275786 (Abruf 6.9.2024, 10:35)
Lietaer 1999, S. 132-139
Kennedy 2006, S. 44 f.