Obwohl jeder Mensch tagtäglich mit Geld zu tun hat und dabei die meisten Menschen die Erfahrung machen, dass sie zu wenig Geld haben, wird die Frage, wo das Geld ursprünglich herkommt, selten bis nie gestellt. Stattdessen bleibt die Situation mit dem Mangel an Geld unhinterfragt, als sei das von der Natur gegeben: es gibt nur eine begrenzte Menge an Gold, deshalb gibt es auch nur eine begrenzte Menge an Geld. Und – so das Vorurteil –, wenn es an Geld fehlt, muss man halt mehr arbeiten. Tatsächlich ist es aber so, dass das Geld von Zentralbanken und Geschäftsbanken geschöpft wird. Dazu müssen diese kein Gold oder Einlagen in den Tresoren haben, es müssen auch keine Druckerpressen angeworfen werden, sondern das neue Geld wird durch das Eingeben von Zahlen in einen Computer »aus dem Nichts« geschaffen. Ab dem Moment, in dem man begreift, dass der Schöpfungsgrund für das Geld nicht das Nichts, sondern die Zukunft ist, kann es nicht länger zu wenig Geld geben.
von Michael Plein | 2. September 2024
Um den Vorgang der Geldschöpfung, also die »Erste Ursache« des Geldes, besser zu verstehen, will ich ein Beispiel von einem Staat vorstellen, der ein neues Währungssystem einrichtet. In diesem neuen Währungssystem wird das Geld durch Kreditgewährung geschöpft. Zur Vereinfachung gibt es in diesem Beispiel nur eine Zentralbank und keine Geschäftsbanken. Der Staat bezieht sein Geld unmittelbar von der Zentralbank, nicht mittelbar über Geschäftsbanken, die Kredite der Zentralbank werden nicht verzinst und das Geld wird ausschließlich vom Staat als Bargeld in Umlauf gebracht.
1) Bevor die erste Buchung zur Geldschöpfung in diesem neuen Geldsystem vollzogen werden kann, muss die doppelte Buchführung eingerichtet werden. Dazu werden in diesem Beispiel zwei Konten »Kreditforderungen« (Forderungen der Zentralbank an Kreditnehmer, hier der Staat) und »Verbindlichkeiten« (Verbindlichkeiten der Zentralbank gegenüber dem Staat, aus täglich verfügbaren Guthaben) mit dem Wert 0 Geldeinheiten (GE) eingerichtet. Aus den beiden neuen Konten, ergibt sich die einfache Bilanz der Zentralbank.
2) Die Zentralbank schöpft einen Betrag von 1.000.000 GE, mit dem Buchungssatz »Forderungen +1.000.000 an Verbindlichkeiten -1.000.000«.[1][2] Nach dieser Buchung hat der Staat 1.000.000 GE Guthaben (Verbindlichkeiten der Zentralbank gegenüber dem Staat) bei der Zentralbank, über dass er nun verfügen kann. Gleichzeitig sind 1.000.000 GE Schulden (Kreditforderungen der Zentralbank an den Staat) entstanden.
3) Um das Geld in Umlauf zu bringen, wird das Guthaben bei der Zentralbank abgebucht, und als Bargeld ausgezahlt und damit in Umlauf gebracht. Der Staat kann das Geld nun in Umlauf bringen indem er es für z.B. Besoldung, öffentliche »Investitionen«, »Subventionen« oder Transferleistungen ausgibt.[3] Hat der Staat das Geld ausgegeben, kann er nicht mehr direkt darüber verfügen, um die bestehenden Schulden bei der Zentralbank zu tilgen, denn das Geld ist nun in der Hand der Bürger und der Unternehmen. Außerdem stehen bei der Zentralbank seine »Staatsschulden« als 1.000.000 GE offen.
4) Will der Staat seine Staatsschulden begleichen, müsste er alles im Umlauf befindliche Geld, z.B. durch hohe Steuern, Beschlagnahmung oder Zwangshypotheken, wieder in seinen Besitz bringen und dieses an die Zentralbank zurückzahlen. Dann würde der Kreditforderung wieder eine Verbindlichkeit in gleicher Höhe gegenüber stehen.
5) Hat der Staat seine Schulden beglichen, kann der Kredit zurückgebucht und damit gelöscht werden, womit das zu Beginn geschöpfte Geld wieder vernichtet wird. Der Buchungssatz lautet: Kreditforderungen -1.000.000 an Verbindlichkeiten 1.000.000. Damit wären die Konten bei der Zentralbank wieder bei 0 GE.[4] In diesem unwahrscheinlichen Fall gäbe es keine Staatsschulden und zugleich kein Geld mehr.[5]
Der bisher beschriebene Vorgang der Geldschöpfung durch die Zentralbank ist stark vereinfacht dargestellt. Im Prinzip funktioniert es aber so. Viele Leute, die zum ersten Mal verstehen, wie das Geld in der Buchführung geschaffen wird, fühlen sich auf eine gewisse Art betrogen. Denn das Geld, dass ja so wertvoll und knapp sein soll, dass man es sparen muss, dafür hart arbeiten muss und die tollsten Unternehmungen startet, um es zu »verdienen«, scheint demnach ja völlig wertlos und in beliebiger Menge erzeugbar. Schnell kommt dann der Wunsch auf, dass das Geld doch wieder »wie früher« durch Gold und Edelmetalle gedeckt sein sollte oder man schafft sich gleich selbst Gold und Silber an, weil man den wertlosen Papierscheinen und Computerzahlen nicht mehr vertraut. Tatsächlich ist aber die Buchgeldschöpfung genau die richtige Lösung für die Zukunft und für die moderne industrialisierte Weltwirtschaft, die wegen der oben beschriebenen Arbeitsteilung und Spezialisierung in der Lage ist immer mehr Wissen, Fähigkeiten und auch Qualität an Produkten hervorzubringen. Ein Geld, dass auf natürlich vorkommende Ressourcen begrenzt ist, könnte dieses Entwicklungspotenzial garnicht frei machen.
Außerdem wäre noch zu überlegen, warum Gold eigentlich wertvoll sein soll. Weil es knapp ist? Weil so schön glänzt? Weil alle es haben wollen?
Das sind keine sachlichen Gründe für einen Wirtschaftswert, denn in der Wirtschaft ist nur das von Wert, was wirklich gebraucht wird. Gold wird in der Produktion wenig gebraucht und kann oft durch andere und bessere Materialien ersetzt werden. Für Bedürfniserfüllung von Konsumenten wird auch wenig Gold gebraucht, außer vielleicht als Schmuck oder Heilmittel. Das Gold als reine Materie ist kaum von Wert. Abgesehen von den Spekulationsgeschäften, die mit Gold gemacht werden, wir für mich der Schwachsinn[6] mit dem »wertvollen Gold«, an der industriellen Goldförderung besonders deutlich. Menschen riskieren in Goldminen täglich ihr Leben. Mit monströsen Maschinen wird die Erde in gröbstem Ausmaß vergewaltigt, um ihr das Gold zu entreissen. Das alles wird gemacht, um dieses Gold dann wieder in einem Keller, in einem Tresor, tief unter der Erde wegzusperren.
Die Frage, ob das Gold für einen aufgeklärten und erwachsenen Menschen wirklich so wertvoll sein kann, muss jeder für sich klären. Meiner Meinung nach ist eine Golddeckung ein ökonomischer Hemmschuh: Ein goldgedecktes Geld kann nicht frei sein, es kann nicht das volle kreative Potenzial des Wirtschaftsprozesses entfalten, weil es von Anfang an, an begrenzte materielle Stoffe gebunden ist.
Anders als im oben besprochenen Beispiel für die Buchgeldschöpfung durch die Zentralbank, können in den heutigen Zentralbanksystemen weder der Staat, noch die Unternehmen oder Bürger ihr Geld unmittelbar von der Zentralbank beziehen – sie können es nur mittelbar über Geschäftsbanken erhalten. Die Geschäftsbanken können sogenanntes »Zentralbankgeld« als Kredit oder durch die Einlage von Wertpapieren (z.B. Staatsanleihen, Schecks, Aktien, Hypothekenbriefe) erhalten. Die Geschäftsbanken haben dann die Aufgabe, unter Einhaltung bestimmter Zentralbankgeld-Reserven, dem Staat, den Unternehmen und den Bürgern, Geld als Kredit herauszugeben. [7][8]
Das Zentralbankgeld bekommt man als Bürger nur in Form von Bargeld, als Münzen und Scheine, in die Hand. Die zwischen den Banken und der Zentralbank umlaufenden »Reserven« und das Bargeld sind zusammen das Zentralbankgeld und damit gesetzliche Zahlungsmittel. Das Giralgeld, also das Geld was die Geschäftsbanken auf den Girokonten ihrer Kunden anzeigen, ist kein gesetzliches Zahlungsmittel, sondern ein privater Vertrag zwischen dem Kunden und der Bank.
Man muss also zunächst zwischen Zentralbankgeld, Bargeld und Giralgeld unterscheiden. Abbildung 6 zeigt, wie die Reserven zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken umlaufen. Und wie das Giralgeld zwischen Geschäftsbanken, Unternehmen, Bürgern und Staat umläuft. Im Vergleich zum vorausgegangenen Beispiel, können die Bürger, die Unternehmen und nicht einmal der Staat, Kredite (Geld) unmittelbar von der Zentralbank beziehen. Sie müssen alle Kredite bei privaten Geschäftsbanken aufnehmen und können Geld so nur mittelbar beziehen.
Der Begriff »Giralgeldschöpfung« bezeichnet den Vorgang der Buchgeldschöpfung durch private Geschäftsbanken. Giralgeld[9] ist Buchgeld, also Geld, dass nicht in Münzen oder Scheinen, sondern als Daten in einer Buchführung existiert und in Form eines Datensatzes von Konto zu Konto übertragen wird.[10]
Die allgemeine Vorstellung vom Kreditgeschäft ist, dass Banken dasjenige Geld an Kunden verleihen, dass andere Kunden vorher eingezahlt haben. Bei einer Kreditvergabe wird jedoch kein Geld verliehen. Es wird durch den bereits bekannten Buchungssatz »Forderungen an Verbindlichkeiten« in der Buchführung geschöpft. Lediglich über einen kleinen Anteil, die Mindestreserve, die im Euroraum aktuell bei 1% der Kreditsumme liegt, plus das Mindesteigenkapital muss die Bank als Voraussetzung verfügen.[11] Es ist wichtig zu wissen, dass für die Kreditvergabe keine Reserven der Bank oder irgendwelche Sparguthaben anderer Kunden verwendet werden. Nochmal: Der Kreditnehmer erhält kein Reservegeld der Bank oder bezieht irgendwie eingezahlte Gelder anderer Kunden. Das als Kredit herausgegebene Giralgeld entsteht durch die Kreditvergabe neu.[12]
Das Beispiel in Abbildung 7 zeigt, wie die Bareinzahlung von 1.000 GE durch einen Kunden verbucht wird. Der in der Abbildung mit 1) angezeigte Buchungssatz lautet »Kasse +1.000 GE an Verbindlichkeiten aus Sichteinlagen -1.000 GE«. Das ist eine »passive Buchgeldschöpfung«, wobei Bargeld in Buchgeld umgewandelt wird. Stark vereinfacht gesagt, kann die Bank nun an einen zweiten Kunden einen Kredit in Höhe von 100.000 GE vergeben, da mit den 1.000 GE eingezahlten Bargeld die 1% Mindestreserve erfüllt ist. Die in der Abbildung mit 2) nummerierte Buchung des Kredits lautet »Forderungen aus Krediten +100.000 GE an Verbindlichkeiten aus Sichteinlagen -100.000 GE«. Dieser Vorgang bedeutet eine »aktive Buchgeldschöpfung«, was die Schaffung zusätzlichen Buchgeldes durch Kreditvergabe, aus Mitteln die über die Mindestreserveprlichten hinausgehen bedeutet.[13]
Die Darstellung in diesem Beispiel ist stark vereinfacht, um zu verdeutlichen, wie bei der Geschäftsbank aus eingezahltem Bargeld ein Kreditvolumen entsteht. In der Realität wäre zum Beispiel zu berücksichtigen, dass auch für die 1.000 GE eine Mindestreserve vorgehalten werden muss. Das verfügbare Kreditvolumen wäre also nur 99.990 GE. Bevor die aktive Buchgeldschöpfung vorgenommen werden kann, müsste außerdem das Bargeld aus der Kasse auf das Zentralbankkonto übertragen werden. Darüber hinaus müssen eine ganze Reihe weiterer Mindestanforderungen berücksichtigt werden.
Die privaten Geschäftsbanken müssen ihre Kredite bei der Zentralbank mit dem gültigen Leitzins (EZB-Leitzins im Juni 2025 ist 2,15%) verzinsen.[14] Die Nichtbanken, also Staat, Bürger und Unternehmen, müssen in Abhängigkeit von der Art des Kredits deutlich höhere Zinsen an die Geschäftsbanken zahlen. Im Jahr 2024 lagen die Zinsen für z.B. Immobilien-Finanzierungen bei 2–4%, für Konsum- und Investitionskredite bei 6–8% und für Überziehungskredite 10–16%. Deutsche Bundesanleihen werden mit ca. 2,5% verzinst. Zwischen dem Leitzins der Zentralbank und den Zinsen für z.B. Staatsanleihen, Immobilienkredite, Investitionskredite oder Konsumentenkredite gibt es zum Teil eine erhebliche Spanne. Für das einfache durchreichen von Geld entstehen bezogen auf das gesamte Kreditvolumen an dieser Stelle größere Gewinne aus Zinsen bei den Geschäftsbanken. Das sogar unter der Voraussetzung, dass diese ihre Kredite zu 100% von der Zentralbank beziehen würden.
Der schweizer Journalist Christoph Pfluger schreibt in seinem Buch »Das nächste Geld«, dass für die Bank der Leitzins nur dann anfällt, wenn sie selbst nicht über ausreichende Mindestreserven verfügt. Dann kann sie bei der Zentralbank Zentralbankgeld leihen. Dieser Zentralbankgeldkredit wird mit dem aktuell gültigen Leitzins verzinst. Jedoch muss sich die Bank nicht die gesamte Kreditsumme bei der Zentralbank leihen, sondern nur die 1% Mindestreserve. Würde die Bank also 100.000 Euro Kredit vergeben, müsste sie 1.000 Euro Zentralbankgeld zu 2,15% finanzieren – das sind 2,15 Euro im Jahr. Dem Kreditnehmer würde die Bank im Moment ca. 5 % Zinsen berechnen. Das sind 5.000 Euro im Jahr. Damit nimmt die Bank über das 230-fache vom Kreditnehmer ein, als sie selbst an die Zentralbank zahlen muss.[15]
Will eine Geschäftsbank einen Kredit vergeben (also Giralgeld in ihrer Buchführung schöpfen), muss sie einen bestimmten Anteil der Kreditsumme als Mindestreserve bei der Zentralbank hinterlegen. Dazu hat sie folgende Möglichkeiten:
Sie verfügt über eine Überschussreserve in Höhe der Mindestreserve auf ihrem Zentralbankkonto. Das bedeutet, dass ihr Guthaben auf dem Zentralbankkonto höher ist, als die für bisher vergebene Kredite benötigte Mindestreserve.
Sie nimmt einen Kredit, gegen Notenbankfähige Sicherheiten, in Höhe der Mindestreserve bei der Zentralbank auf, der mit dem aktuell gültigen Leitzins verzinst wird. Die Sicherheiten werden in »marktfähige« und »nicht marktfähige Sicherheit« unterschieden. Bei marktfähigen Sicherheiten handelt es sich um »ungedeckte Schuldverschreibungen, gedeckte Schuldverschreibungen (Covered Bonds, Pfandbriefe) und Asset Backed Securities (ABS)«. Als nicht marktfähige Sicherheiten gelten unter anderem Kreditforderungen, also Verbindlichkeit eines Schuldners gegenüber einem Geschäftspartner. Dies umfasst auch Schuldscheindarlehen.[16]
Ein Kunde zahlt Bargeld in Höhe der Mindestreserve zzgl. der Mindesreserve für die Bareinzahlung ein. Das bedeutet bei einer Mindestreserve von 1%, würde eine Bareinzahlung von 1.000 Euro ausreichen, um einen Kredit von 99.000 Euro und das Sichtguthaben von 1.000 Euro abzusichern.[17]
Ein Kunde legt einen Betrag in Höhe der Kreditsumme für mindestens zwei Jahre fest an. In diesem Fall handelt es sich um eine Spareinlage, die nicht von der Mindestreserve betroffen ist. Dieser Fall entspricht der klassischen Vorstellung des Kreditgeschäfts, bei dem ein Kredit in Höhe einer vorhandenen Spareinlage vergeben werden kann.
Ab dem 18.01.2012 wurde die Mindestreserve im Euro-Raum durch die EZB auf 1% abgesenkt.[18] Die chinesische Volksbank verlangte 2014 noch 20% Mindestreserve und hat diese bis 2023 auf 7,6% gesenkt.[19] Im US-amerikanischen Federal-Reserve-System galten 2014 noch 10% Mindestreserve, die am 15.3.2020 auf 0% herabgesetzt wurde.[20]
In den meisten Mindestreserve-Systemen werden die Geschäftsbanken gezwungen, bei der Zentralbank eine Mindestreserve zu hinterlegen. Dabei ist die Mindestreserve ein geldpolitisches Instrument der jeweiligen Zentralbanken zur Steuerung der Nachfrage der Geschäftsbanken nach Zentralbankgeld. Sie wird von der Zentralbank festgelegt als Anteil an den Einlagen der Kunden der jeweiligen Geschäftsbank.[21]
Zusätzlich zur gesetzlichen Mindestreserve, müssen Banken über ein Mindesteigenkapital verfügen, dass durch die seit 1988 geschlossenen Basel-Abkommen (Basel I, II und III) vorgegeben wird. Das Mindesteigenkapital wird recht kompliziert berechnet. In Abhängigkeit der Zahlungsgewohnheiten der Kunden, insbesondere dem zu erwartenden Abfluss von Bargeld, muss die Bank eine Kassenreserve (i.d.R. 10 bis 15%) unterhalten.[22][23]
Anhand meiner Ausführungen wird langsam deutlich, wie die Buchgeldschöpfung funktioniert und welche weitreichende Macht und Verantwortung für die Wirtschaft und Gesellschaft damit verbunden ist. Was in diesem Zusammenhang vielleicht überrascht ist, dass es keine direkte rechtliche Regelung für die Geldschöpfung gibt.[24] Die Praxis der Buchgeldschöpfung gab es zwar schon, bevor die heutigen Nationalstaaten mit einheitlichem Rechtssystem entstanden waren, es stellt sich aber die Frage, warum man bis heute zu keiner direkten rechtlichen Regelung gekommen ist. Die Deutsche Bundesbank antwortet auf die Frage »Was ist die rechtliche Grundlage für die Buchgeldschöpfung?« wie folgt:
»Es gibt keine direkte rechtliche Regelung. Die Möglichkeit zur Buchgeldschöpfung durch Banken wird vom deutschen Recht vorausgesetzt. Die Buchgeldschöpfung und andere Tätigkeiten der Banken sind grundsätzlich der Aufsicht nach dem Kreditwesengesetz (KWG) und weiteren Gesetzen unterworfen. Da eine übermäßige Buchgeldschöpfung durch die Geschäftsbanken das vom Eurosystem verfolgte Ziel der Preisstabilität gefährden könnte, verfügt das Eurosystem über geldpolitische Instrumente wie die Mindestreservepflicht und die Offenmarktgeschäfte, die es zur Gewährleistung von Preisstabilität einsetzen kann.«
— Deutsche Bundesbank [25]
Nach den bisherigen Ausführungen lässt sich nachvollziehen, warum Geld kein Gold ist. Die Vorstellung, dass für das Geld mit dem man tagtäglich umgeht, in irgendeinem Tresor Edelmetalle oder andere körperliche Gegenstände hinterlegt sind oder sein müssten ist arglos. Auch müssen für die Schöpfung von Geld keine Münzen geprägt oder Geldscheine gedruckt werden. Tatsächlich wird das Geld in der doppelten Buchführung bei der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken als Giralgeld geschaffen. Die Banken »erfinden« das Geld im Vertrauen darauf, dass die Kreditnehmer es in der Zukunft zurückzahlen – und auch im Vertrauen darauf, dass nicht plötzlich alle Kunden ihre Guthaben in Bar abheben oder an andere Banken überweisen. Von seiner Herkunft her bedeutet der Begriff Kredit genau das: Vertrauen.
In einer Wirtschaft und Gesellschaft in der sich die Menschen gegenseitig und damit auch ihren Institutionen vertrauen, ist diese Vorgehensweise sehr sinnvoll. Insbesondere dann, wenn die Menschen anfangen in sich selbst, ihren Fähigkeiten und ihrem zukünftigen Potenzial zu vertrauen.
In einer Wirtschaft und Gesellschaft jedoch, in der die meisten Leute einen »Money-Mindset« haben, der ausschließlich auf den eigenen Nutzen, Profit, »Interest«81 und Zinsgewinn bedacht ist, wird jedoch das Misstrauen gegenüber anderen Menschen und Institutionen wie Banken oder Regierungen immer weiter zunehmen. Der Missbrauch des Geldes wird immer schlimmer, wenn jeder meint er müsse »Geld verdienen«, um sich »selbst zu versorgen«. Dann geht es nämlich nur noch um den privaten Vorteil und den persönlichen Egoismus.
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 74-80
Hörmann/Pregetter 2011, S. 135 f.
Die Begriffe von Investitionen und Subventionen werden in Kapitel 4 geklärt und erweitert.
Lietaer 1999, S. 70
„In dem gewiss hypothetischen Fall, dass alle Kreditnehmer ihre Schulden bei den Banken gleichzeitig tilgen, würde das durch Kredite geschaffene Buchgeld in der Tat wieder verschwinden.“ Deutsche Bundesbank 2024b, S. 6
der Sinn ist schwach, kraftlos, dünn
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 150 ff.
Creutz 2012, S. 68
vgl. Girokonto, vom italienischen giro „Kreis, Umlauf“
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 16 / S. 46
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 74f / S. 166
Pfluger 2015, S. 31
Quelle für Passive und Aktive Buchgeldschöpfung
Entwicklung des Zinssatzes der Europäischen Zentralbank für das Hauptrefinanzierungsgeschäft von 1999 bis 2024 (Stand: Juli 2024), https://de.statista.com/statistik/daten/studie/201216/umfrage/ ezb-zinssatz-fuer-das-hauptrefinanzierungsgeschaeft-seit-1999/ (Abruf 2.9.2024, 11:00)
Pfluger 2015, S. 34
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 171
Berechnung: Kreditsumme = (Bareinlage - (Bareinlage x Mindestreserve%)) / Mindestreserve%
Deutsche Bundesbank: „Mindestreserven“,
https://www.bundesbank.de/de/aufgaben/geldpolitik/
mindestreserven/mindestreserven-602268 (Abruf 2.9.2024 11:11)
The People’s Bank of China: „PBOC to Cut Required Reserve Ratio for Financial Institutions on March 27, 2023“, http://www.pbc.gov.cn/en/3688229/3688335/3730270/4821979/index.html (Abruf 2.9.2024, 11:30)
Federal Reserve System: „Reserve Requirements“,
https://www.federalreserve.gov/monetarypolicy/reservereq.htm (Abruf 2.9.2011, 11:20)
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 165 f.
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 117 f.
Pfluger 2015, S. 32
Pfluger 2015, S. 30
Deutsche Bundesbank 2024b, S. 3