Geld wirkt als der vitale Strom des gesamten sozialen Organismus, dessen wahre Quelle Vertrauen ist. In seiner lebendigen Zirkulation differenziert es sich: Als produktives Geld strömt es menschlichen Fähigkeiten in Form von Einkommen entgegen, während kreatives Geld den Warenfluss begleitet. So strömt das Geld den Wirtschaftswerten entgegen und erzeugt einen Sog, der den gesamten Weltwirtschaftsprozess in Bewegung hält.
Dabei entsteht modernes Geld durch Buchgeldschöpfung nicht einfach aus dem Nichts, sondern wird aus der Zukunft geschöpft, um Kreativität auf die Erde zu bringen. Wer dieses komplexe, wunderschöne Wesen des Geldes begreift und dazu noch die Zinsen weglässt, erkennt darin das entscheidende Mittel zur Gestaltung einer zukunftsfähigen und sozialen Gesellschaft.
von Michael Plein | Juni 2024
In der kreativen Weltwirtschaft ist das Geld der Gegenstrom zum Wertschöpfungs- und Arbeitsprozess, der als Wechselwirkung aus Fähigkeitenstrom und Warenstrom dargestellt wird. Der Kreislauf des Geldes ermöglicht es, produktiv tätig zu sein und vor allem das Zukünftige, die Kreativität und Fähigkeiten zu entwickeln und zu verwirklichen.
Der Geldkreislauf beginnt im Zentrum des Diagramms, in dem Moment wo der Unternehmer seine Initiative entfaltet. Will er sein Unternehmen in Bewegung bringen, braucht er Geld, denn er muss zuerst Menschen ein Einkommen geben, damit diese Ihre Fähigkeiten im Unternehmen einsetzen können – außerdem müssen Investitionsgüter, Maschinen, Vorprodukte und Rohstoffe beschafft werden. Das dazu nötige Geld bekommt der Unternehmer als Kredit von der Credit-Bank oder Central-Bank (C-Bank). Das Geld für den Kredit wird von der C-Bank neu geschöpft, wie es in Artikel 4.2 über die Buchgeldschöpfung beschrieben ist.
Die C-Bank ist eine »demokratische Bank«, die es heute noch nicht gibt.[1] Sie hat es nicht nötig aus verzinsten Krediten oder anderen Finanzprodukten profitable Geschäftsmodelle zu machen, denn die Einkommen ihrer Mitarbeiter werden genauso aus Krediten finanziert, wie bei allen anderen Unternehmen. Die Aufgabe der C-Bank ist keine profitable, sondern viel mehr eine beratende und forschende: In der C-Bank kommen Unternehmer mit guten Ideen, Mitarbeiter mit besonderen Fähigkeiten, Konsumenten mit individuellen Bedürfnissen und die »Banker« zusammen, um sich eingehend und auf Augenhöhe darüber zu beraten, ob das angestrebte und zu kreditierende Unternehmen sinnvoll für das Soziale Ganze ist und ob es wirklich die Bedürfnisse der Konsumenten erfüllen kann. In der C-Bank lernen Menschen, gemeinsam im Gespräch, ein Vertrauen in eigene Fähigkeiten, Ideen und Zukunft zu entwickeln.
Wenn die Menschen sich in der C-Bank beraten, geht es nicht bloß um Geschäftsmodelle, Businesspläne, Excel-Tabellen oder Return-On-Invest-Kalkulationen, sondern mehr um echten Dialog: Es geht um Kommunikationsprozesse, durch die Kreativität und Begriffe hindurch gehen können, um den beteiligten bewusst zu werden und eine verbindliche Information und damit Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens zu erzeugen.
Das Wort Kredit kommt vom lateinischen »crēdere« und bedeutet vertrauen oder glauben. Kann im Dialog dieses Vertrauen gefunden werden, kann auch der Kredit gegeben werden. Der Kredit ist zinsfrei, denn das Geld wird neu geschöpft – es wird also kein Geld von anderen Leuten verliehen, welches vielleicht auf Konten oder in Kellern lagert. Der Schöpfungsakt passiert in der Buchhaltung der C-Bank. Ganz einfach gesagt: Das neue Geld wird als Zahl in den Computer eingetragen, genauso wie es bisherige Zentral- und Privatbanken schon seit Jahrzehnten machen.[2] Das neu geschöpfte Geld kommt aber nicht »aus dem Nichts«, sondern aus der Zukunft, aus dem Vertrauen in das zukünftige Unternehmen und die Fähigkeiten der Menschen die dort zusammenarbeiten. Dieses neu geschöpfte Geld ist deshalb auch nicht ungedeckt und wertlos, wie von Kritikern des FIAT-Geldsystems [3] und der Buchgeldschöpfung oft bemängelt wird, sondern es ist durch den aus der Zukunft kommenden Wert der Fähigkeiten gedeckt, der sich im weiteren Prozess in Warenwerte verwandelt.
Mit der Auszahlung des Kredits von der C-Bank an den Unternehmer, strömt das Geld in das Feld der Produktion und wird »produktives Geld« (P-Geld). Es ermöglicht jetzt das Produzieren, weil Investitionen für Produktionsmittel und Ausgaben für Einkommen und damit für Fähigkeiten getätigt werden können.
Investitionen für Produktionsmittel ist hier jedoch anders zu verstehen, als es bisher normal wäre. Die Produktionsmittel werden nicht gekauft, sondern sie werden geliefert und verrechnet. Hier muss direkt kein Geld fließen, weshalb der Geldprozess, der den Produktionsmitteln entgegen strömt, im Diagramm gestrichelt dargestellt ist. Das Liefern von Produktionsmitteln bedeutet nämlich, dass indirekt die Fähigkeiten der Mitarbeiter beim liefernden Unternehmen in die Produktion fließen. Da das liefernde Unternehmen bereits einen Kredit für die Einkommen seiner Mitarbeiter bekommen hat, ist das Produktionsmittel schon finanziert. Es muss deshalb hier kein Geld an das liefernde Unternehmen fließen, sondern der Wert wird zum Ende des Geldkreislaufs ausgeglichen.
Alles Geld wird im Ganzen letztlich für Einkommen ausgegeben, denn am Ende jeder Wertschöpfungskette, so weit verzweigt und automatisiert sie auch sein mag, ist immer ein Mensch der die Arbeit macht. Es kommt am Ende auf das Selbe heraus, ob man am Anfang des Kreislaufs Geld »bezahlt« oder am Ende des Kreislaufs die Werte verrechnet. Der Ausgleich zwischen den Unternehmen, zum Ende des Kreislaufs, ist aber die klarere Vorgehensweise. Liquiditätsprobleme können für die beteiligten Unternehmen dabei nicht entstehen, weil ja alle Unternehmen von der C-Bank einen Kredit erhalten, um die Einkommen ihrer Mitarbeiter zu finanzieren.
Alles als Kredit gegebene Geld strömt früher oder später als Ausgaben für Einkommen in die Konsumtion. Das Geld steigt auf, vom Feld der Produktivität in die Kreativität, wie es im Diagramm der blaue durch das Zentrum verlaufende Pfeil zeigt. Die Fähigkeiten strömen dem entgegen, vom Feld der Kreativität in das Feld der Produktivität, wie der grüne durch das Zentrum verlaufende Pfeil zeigt. Das Diagramm zeigt so deutlich, wie durch den Sog der Ausgaben, Menschen mit ihren Fähigkeiten berufen werden und der Fähigkeitenstrom in die Produktion geleitet wird.
Dieser Sog setzt den Wirtschaftsprozess in Bewegung. An dem Punkt, an dem die Einkommen auf die Fähigkeiten treffen, bildet sich der Fähigkeitenwert, der »Preis« für Fähigkeiten, also die Höhe der Einkommen. Die Summe der Einkommen ist gleich der Summe der Ausgaben des Unternehmens, weil die Produktionsmittel später verrechnet werden.
Mit dem Aufstieg des Geldes in die Konsumtion wird es »kreatives Geld« (K-Geld), denn es ermöglicht nun dem Einzelnen ganz frei und individuell seine Fähigkeiten zu erneuern und zu erweitern. Der Einzelne kann jetzt selbstbestimmt, mit seinem Geld, seine Bedürfnisse erfüllen. In dem K-Geld liegt hier eine besondere Freiheit, denn mit dem Geld ist nicht festgelegt, was sich der Einzelne kaufen kann – das entscheidet jeder nach bestem Gewissen selbst! Da es um die Bildung individueller Fähigkeiten geht, kann und muss jeder selbst entscheiden, welche Bedürfnisse er sich erfüllen will. Alte Vorstellungen, von auf bestimmte Waren beschränkten Gutscheinen oder Bezahlkarten, stehen der Fähigkeitenbildung und damit der Freiheit und auch der Wirtschaftlichkeit entgegen. Genauso planwirtschaftliche Gleichmacherei, die vorgibt, dass die Krankenversicherung nur noch petrochemisch hergestellte Medikamente bezahlt, die Heizung nur noch per Wärmepumpe erlaubt ist, oder, dass jetzt jeder mit einem Trabant [4] oder einem Batterieauto herumfährt. Wenn jemand für die Erfüllung seiner Lebensaufgabe ein SUV [5] von Porsche braucht, dann muss dieser Porsche hergestellt werden und derjenige muss ihn auch kaufen können. Wird das Bedürfnis nicht erfüllt, fehlen Fähigkeiten im Ganzen und die Qualität der Produkte leidet.
Für ihre Fähigkeitenbildung müssen Konsumenten also frei entscheiden, welche Dienstleistungen (Geld fließt durch den Dienstleistungsprozess) oder industriell hergestellten Waren (Geld fließt zurück in die Produktion) sie kaufen.
Teuren Konsum finanziert die Konsumenten-Bank. Diese Bank wird hier als B-Bank bezeichnet, weil sie einfach die Bank ist, die jeder heute kennt, die Bank die die privaten Girokonten der Konsumenten führt. Sie ist wie heutige Darlehensgeber oder Solidar-Versicherungen dafür zuständig das Geld, durch Leihen oder Schenken, von denen die aktuell mehr haben als sie konsumieren zu denen zu bewegen die zu wenig haben. Das kann zum Beispiel bei größeren Anschaffungen (ein Auto, ein Haus) oder bei unvorhergesehenen Ausgaben für Krankheiten oder Unfallschäden der Fall sein. Die B-Bank muss in jedem Fall dafür sorgen, dass das Geld im Kreislauf bleibt und es nicht angehalten, gespart oder festgelegt wird. Die Konsumenten müssten größere Anschaffungen über längere Zeiträume in ihre Einkommen einberechnen: Brauche Ich zum Beispiel ein Auto, dass 36.000 GE kostet über zehn Jahre (120 Monate), dann muss Ich mein monatliches Einkommen um die Kosten für die Wiederbeschaffung von 300 GE, erhöhen.
An dem Punkt, an dem die Konsumenten industriell hergestellte Waren kaufen, trifft der Geldstrom der Konsumenten auf den Warenstrom der Produzenten. Das Diagramm zeigt, wie durch den Sog der Einnahmen der Warenstrom in die Konsumtion geleitet wird. An diesem Wendepunkt bilden sich die Preise für die Waren, die dann zu Einnahmen für die Unternehmen werden.
Mit dem Verkauf der Ware fließt das Geld zurück zu den Unternehmen und in das Feld der Produktion. Mit dem Zurückfließen ist das Geld eigentlich wertlos, denn die Waren deren Wert es vor dem Verkauf noch repräsentiert hat, sind nun dem Verbraucher übergeben. Werden die Waren verbraucht, haben sie keinen Wert mehr, damit ist auch das zurückfließende Geld nicht mehr durch Warenwerte gedeckt. Deshalb ist der durch das Zentrum verlaufende zurückfließende Geldstrom in blau dargestellt.[6]
Das wertlose Geld steigt also wieder ab in das Feld der Produktivität und dient hier zunächst dem Ausgleich von Investitionen und Subventionen durch die Ausgleichs- und Assoziations-Bank (A-Bank). Die Investitionen sind die zwischen den Unternehmen gelieferten Produktionsmittel, welche die A-Bank so verrechnet, dass die erbrachten Lieferungen ausgeglichen werden. Aus den erzielten Einnahmen und den verrechneten Investitionen ergibt sich, welche Unternehmen Überschüsse und welche Unterschüsse erwirtschaftet haben.
Ein Überschuss bedeutet, dass das Unternehmen mehr eingenommen hat, als es zu Beginn als Kredit erhalten hat. Ein Unterschuss bedeutet, das die Einnahmen geringer als der Kredit sind. Mit Subventionen sind hier keine staatlich reglementierten Zuschüsse gemeint, sondern der freiwillige Ausgleich von Über- und Unterschüssen zwischen den Unternehmen, mit dem Ziel, dass am Ende des Kreislaufs alle zu Beginn von der C-Bank gegebenen Kredite wieder abgelöst werden können.
Auf das für den Ausgleich »verschenkte« Geld wird niemand der logisch denken kann einen Anspruch erheben, denn es ist wie oben erwähnt ohnehin Wertlos. Dieses Geld kann niemand mehr brauchen, denn alle Mitarbeiter und die Unternehmer selbst haben zu Beginn ihr volles (!) Einkommen erhalten und für zukünftige Vorhaben und Investitionen wird erneut ein Kredit gegeben.
Wenn die A-Bank das Geld an die C-Bank leitet, um alle Kredite abzulösen, findet das Geld sein Ende, es wird vernichtet, bis der Kreislauf mit neu geschöpftem Geld wieder beginnt. Dieses regelmäßige neu Schöpfen und wieder vernichten von Geld ist ein lebenswichtiger Vorgang: wie beim Blutkreislauf in der Lunge das Kohlendioxid aus dem Blut entsorgt und es mit Sauerstoff neu aufgeladen wird, wird das Geld in der C-Bank durch die Tilgung von dem was vergangen ist, von der Aufgabe die es erfüllt hat, entladen und durch die Neuschöpfung mit Zukunft und Sinn aufgeladen.
Im Kreislauf des Geldes durch den sozialen Organismus ergeben sich zwei verschiedene, aber wechselwirkende Qualitäten des Geldes. Erstens ist das P-Geld im Feld der Produktion der Gegenstrom, ein Sog für die produktive Arbeit. Hier ist es substanzlos, potenziell und zukünftig, denn die Ware soll ja erst produziert werden. Wie arterielles Blut gibt der Geldstrom Energie in den Organismus hinein, um die Produktion zu ermöglichen.
Für Produzenten bedeutet das die unternehmerische Pflicht zum Abbau von Fähigkeiten und zum Aufbau von Waren. Zweitens ist das K-Geld im Feld der Konsumtion die Sogwirkung für die kreative Arbeit. Es ist hier substanziell auf Bestehendes, also auf die Vergangenheit bezogen, denn hier sollen bereits produzierte Waren verbraucht werden – die Ware ist also schon da. Wie venöses Blut ist hier der Geldstrom bereits im Rückfluss zu seinem Ausgangspunkt, zu »Herz und Lunge«, der C-Bank (C). Für Konsumenten bedeutet das K-Geld das individuelle Recht zum Abbau von Waren und Aufbau von Fähigkeiten. [7] [8]
Das Geld reguliert also die Rechte und Pflichten der Konsumenten und Produzenten. Es hat damit einen Rechtscharakter. [9] Es ist kein Wirtschaftswert, keine Ware, so wie die Kapitalisten meinen, sondern es ist ein Symbol. Es symbolisiert die beiden Wirtschaftswerte, die Fähigkeitenwerte und die Warenwerte, und die damit verbundenen Berechtigungen und Verpflichtungen.
Außerdem strömt das Geld allen Fähigkeitenwerteströmen und Warenwerteströmen entgegen. Das Geld wird dadurch zu einem Informations- und Kommunikationsmittel, welches durch das ganze Weltunternehmen hindurchfließt und die unüberschaubare Zahl von Transaktionen abbildet. Es ermöglicht so eine Wahrnehmung, ein Bewusstsein von den komplexen Prozessen und Beziehungen in der ganzen Weltwirtschaft und Weltgesellschaft. Neben der Funktion eines bewegenden und verlebendigenden Blut-Kreislaufs, dient das Geld also auch als eine Art Nerven-Sinnes-System für den Sozialen Organismus.[10]
Damit wird das Geld zum Demokratiemittel, weil es die demokratischen Erkenntnisprozesse in der C-Bank und den Unternehmen erst ermöglicht. Es ermöglicht Klarheit über den Gesundheits- und Krankheitszustand des Sozialen Organismus und die entsprechende Leitung der Wirtschaftsprozesse. Gesund kann der Organismus nur sein, wenn Fähigkeiten, Bedürfnisse und deren Erfüllung bewusst werden, und wenn die Kredite, die Höhe der Einkommen und die Höhe der Preise im Ganzen richtig aufeinander abgestimmt sind – und zwar so, dass alle Investitionen, auch in Umweltschutz, Gesundheit, Kreativität oder Bildung, finanziert werden können.[11] Dafür brauchen wir das Geld. Es geht heutzutage nicht ohne Geld – wir würden den Überblick verlieren. Mit persönlichen Tauschgeschäften kann eine kreative Weltwirtschaft nicht funktionieren. Man würde dann früher oder später Buch führen und das ist dann dasselbe wie das Geld. Das Geld, dass hier beschrieben wurde, ist eine durch den Sozialen Organismus fließende Buchführung.
Das Wesen des Geldes ist also sehr viel komplexer zu verstehen, als die herkömmliche Vorstellung vom Tausch-, Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel. Es ist außerdem ein Lebensmittel, eine fließende Buchführung, ein Informations-, Kommunikations- und Bewusstseinsmittel und ein Rechts- und Demokratiemittel. Alles in allem, will das Geld die Kreativität der Menschen auf die Erde bringen. Es ermöglicht das gleiche Recht und die gleiche Pflicht auf Freiheit und Eigentum. Und mit Eigentum ist in diesem Zusammenhang zunächst kein materieller Besitz, sondern die geistige Eigentümlichkeit gemeint: Die besondere einzigartige Fähigkeit, die jeder Mensch durch sein Ich auf die Erde bringen will. Da geht es um die Würde des Menschen.
Das freie Geld ermöglicht überhaupt erst die Menschenwürde und die europäischen Werte zu verwirklichen. Die Ideale der französischen Revolution waren Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Diese Ideale entsprechen den Begriffen von Freiheit, Recht und Einigkeit im Deutschlandlied: Die Freiheit des Einzelnen, seine eigentümlichen Fähigkeiten zu bestimmen und zu verwirklichen; Gleiches Recht und gleiche Pflicht für alle, sich selbst zu bestimmen und zu verwirklichen; Brüderliche Einigkeit, bei der alle gemeinsam dafür sorgen, dass Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung für den Einzelnen möglich ist – weil es dem Ganzen dient. Die Geld-Transformation hin zur kreativen Weltwirtschaft und zum freien Geld müsste eigentlich zum Leitbild für das Europa der Zukunft werden.
Buchgeldschöpfung bedeutet, neues Geld aus der Zukunft zu schöpfen, damit die Unternehmer und ihre Mitarbeiter individuelle Fähigkeiten und zukünftige Ideen entfalten können. Geld unbegrenzt per Buchführung zu schöpfen ist sehr vernünftig, denn die Kreativität der Menschen ist unerschöpflich.
Wer macht eigentlich wie das Geld? Viele glauben, dass der Staat das Geld entsprechend bestimmter Sachwerte »druckt«. Ebenso verbreitet ist die Meinung, dass bei der Kreditvergabe der Kreditnehmer von der Bank das Geld leiht, welches andere als Guthaben bei der Bank hinterlegt haben. In der Realität schöpfen Banken aber einen Großteil des Geldes per Buchhaltung neu, wenn sie einen Kredit vergeben.
Es liegt kein Geld im Tresor oder Gold im Keller. Von der Kreditsumme muss ein Hundertstel als Mindestreserve [12], und ungefähr ein Zehntel als Mindesteigenkapital [13] in verschiedenen Vermögensarten zur Sicherheit vorhanden sein. Genauso schaffen auch Notenbanken das Geld für Staaten: neues Geld entsteht durch einen buchhalterischen Vorgang – eine Bilanzverlängerung.
In der Realität werden bloß Zahlen in einen Computer eingetragen. Dieser oft als »Geldschöpfung aus dem Nichts« oder »FIAT-Geld« (aus dem lateinischen fiat »es möge entstehen«) beschriebene Vorgang erscheint so banal, dass er Empörung auslösen kann: Wie kann man Geld, das wertvoll sein soll, als wertlose Zahl in einer Buchhaltung erzeugen? Das klingt im ersten Moment nach Betrug.
Im Zusammenhang mit der kreativen Weltwirtschaft und ihrem Geldkreislauf ergibt diese seit über 100 Jahren weltweit gängige Praxis jedoch Sinn. Das Geld wird hier nämlich für ein bestimmtes Unternehmen und seine zukünftige Aufgabe geschöpft. Das Geld wird also nicht aus dem »Nichts«, sondern aus Vertrauen in die Zukunft geschöpft – der Begriff Kredit stammt ja auch vom lateinischen »credere«, was Vertrauen bedeutet. Kreditgeld ist ein »Zukunft-Ermöglichungs-Mittel«.
Die Buchgeldschöpfung ist eigentlich ein ganz einfacher Vorgang, der aber zugleich so abstrakt ist, dass die meisten Leute sich das nicht vorstellen können. Ich will versuchen die Entstehung des Geldes, seinen Lauf durch den Wirtschaftsprozess und seine abschließende Vernichtung in einem stark vereinfachten Buchhaltungs-Beispiel darzustellen. Dazu zeige Ich die Bilanz der drei Banken C, B und A (Credit-Bank, Privat-Bank, Ausgleichs-Bank) für ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet, in dem es nur vier Unternehmen gibt: einen Forstbetrieb, ein Sägewerk, eine Möbelfabrik und eine Kunstschule für Innenarchitektur. Zur Vereinfachung werden die Verrechnungen zwischen den Banken nicht dargestellt. Die Abbildung kann wie eine Gesamtbilanz des Wirtschaftsraums aus Sicht der Bank gelesen werden.
Zu Beginn des Geldkreislaufs, wird das Geld geschaffen, indem die vier Unternehmen kreditiert werden. Doppelte Buchführung ist doppelt, weil sie immer zeigt, wo das Geld herkommt und wo es hingeht (Aktiva und Passiva). Mit jedem Geschäftsvorfall werden deshalb zwei Zahlen in der Bilanz vermerkt. Die Buchung bei der Kreditvergabe lautet »Forderungen aus Krediten« an »Guthaben« (Abb. a). Damit hat die Credit-Bank (C-Bank) eine zukünftige Forderung auf die Ablösung der Kredite (hier ingesamt 60 Millionen Geldeinheiten MGE) und gleichzeitig eine jetzt bestehende Verbindlichkeit – das Kontoguthaben (auch insgesamt 60 MGE) – gegenüber den Kreditnehmern, also den Unternehmen. Die Bilanzsumme entspricht jetzt der im Umlauf befindlichen Geldmenge (60 MGE).
Im nächsten Schritt, wird das Geld von den Unternehmen ausgegeben und es fließt als Einkommen an die Mitarbeiter. Da alles Geld als Einkommen in die Konsumtion fließt, werden die Kontoguthaben der Produzenten bei der C-Bank (um 60 MGE) verringert, die der Konsumenten bei deren Komsum- und Privatbank-Bank (B-Bank) (um 60 MGE) erhöht (Abb. b). Im Ganzen bleibt die Bilanzsumme und damit die Geldmenge dieselbe (60 MGE).
Das Geld läuft jetzt durch die Konsumtion (Abb. c) indem Dienstleistungen gekauft und verkauft werden (hier für 30 MGE) und Geld verliehen oder verschenkt wird – die Geldmenge bleibt wieder gleich. Durch den Kauf von Waren gelang das Geld schließlich wieder zurück zu den Produzenten (Abb. d). Wurden die Bedürfnisse und Preise bei der Kreditvergabe richtig beurteilt, gelangt alles Geld (60 MGE) zurück in das Feld der Produktion.
Nun werden die Über- und Unterschüsse zwischen den Produzenten ausgeglichen (Abb. e). Hier werden Beispielhaft je 5 MGE Subventionen vom Sägewerk und der Möbelfabrik an den Forstbetrieb und 5 MGE Subventionen von der Möbelfabrik an die Kunstschule gegeben. Damit können alle vier Unternehmen ihre Kredit-Forderungen begleichen (Abb. f). Die Kredite werden abgelöst und das Geld wird wieder vernichtet. Dazu nimmt die C-Bank die gegenteilige Buchung vor, wie zu Beginn: »Guthaben« an »Forderungen aus Krediten«. Damit ist die Bilanzsumme und auch die Geldmenge wieder bei Null.
Es wird klar, dass zwar »Schulden«, also Forderungen entstehen, diese aber im Ganzen immer beglichen werden können, wenn Geld nicht sinnlos umgeleitet, gestaut oder verzinst wird, oder aus politischen Gründen unsachgemäß in den Wirtschaftsprozess hinein oder aus ihm heraus geleitet wird. Deshalb können für diese Geldströme auch nicht die Politiker verantwortlich sein, sondern die am Wirtschaftsprozess selbst beteiligten Menschen, die Unternehmer, Mitarbeiter, Konsumenten und Bankberater. Nur die Menschen, die selbst vor Ort die kreative und produktive Arbeit machen, können die Prozesse sachgemäß beurteilen.
Diese Denkweise über Geld ermöglicht es, dass jedes sinnvolle Unternehmen finanziert werden kann. Es gibt keinen Mangel mehr – auch nicht an Ressourcen. Wenn für sinnvolle Unternehmen immer genügend Geld geschöpft werden kann und damit die Mitarbeiter ihre Bedürfnisse erfüllen können, um ihre Fähigkeiten bestmöglich zu entwickeln, dann ist zu erwarten, dass sich die Kreativität der Menschen stark entfaltet. Das wird, wie schon in der Vergangenheit, dafür sorgen, dass da wo Knappheit entsteht neue Materialien oder Herstellungsverfahren erfunden werden, die knappe Ressourcen substituieren.
Zinsen auf Kredite dürfen in der kreativen Weltwirtschaft nicht berechnet werden. Zinsen und Zinseszinsen auf Kredite sind Unsinn, denn sie erzeugen Geldknappheit. Das Diagramm vom Geldkreislauf macht das sofort klar: Wenn ein Kredit mit Zinsen belastet wird, muss am Ende des Geldkreislaufs mehr Geld an die C-Bank zurückbezahlt werden, als am Anfang in den Kreislauf hineingegeben wurde. Dieses Geld für die Zinsen gibt es aber garnicht, es können also nicht alle Kredite abgelöst werden – das Geld wird knapp. Damit beginnt – wie es heute gängige Praxis ist – ein Teufelskreis, denn es bleiben Schulden stehen, die erneut durch Kredite finanziert werden müssen. Werden diese Kredite wieder verzinst, werden die Schulden durch den Zinseszins-Effekt exponentiell anwachsen. Eine Rückzahlung ist unmöglich und die Schuldner werden ihre Freiheit immer weiter verlieren. Außerdem sind Zinsen auf Kredite Wucher, denn es wird ja kein vorhandenes Geld verliehen, sondern es wird neues Geld geschöpft.[14]
Da die Bank keine Zinsen für den Kredit nehmen darf, stellt sich aus heutiger Sicht die Frage, wodurch die Bank selbst sich finanzieren soll. Auch die Arbeit der Bank, bzw. die Einkommen ihrer Mitarbeiter müssen finanziert werden – insbesondere, wenn die Banken in Zukunft die verantwortungsvolle Aufgabe haben, geistreiche Beratungsprozesse durchzuführen. Bei diesen Beratungen wird es nicht mehr um Sicherheiten, Renditen oder Umsatzpläne gehen, sondern um unternehmerische Impulse, wirkliche Bedürfnisse, zukünftige Fähigkeiten und biografische Aufgaben. Die Mitarbeiter der Bank müssen also ganz besondere Fähigkeiten herausbilden. Dafür kann die Bank angemessene Gebühren berechnen. Außerdem ist die Bank selbst ein Unternehmen, und wenn sie etwas sinnvolles für die Entwicklung des Sozialen Organismus unternimmt – und die angedeutete Tätigkeit der Bank ist sinnvoll – dann kann sie selbst Kredite, Investitionen und Subventionen erhalten.
Kelly/Beuys 1994, S. 91
Deutsche Bundesbank 2024a, S 74-80
Deutsche Bundesbank 2024a, S 15-16
Der Trabant war eine von 1958 bis 1991in der DDR bzw. zuletzt in der Bundesrepublik Deutschland von Sachsenring in Zwickau produzierte Kleinwagen-Modellreihe.
Sport Utility Vehicles, auch als Geländelimousinen oder Stadtgeländewagen bezeichnet.
Kelly/Beuys 1993, S. 60/88
Kelly/Beuys 1994, S. 87, S. 91
Schmundt 1982, S. 40
Stüttgen 1992, S. 8-11
Lietaer 1999, S. 41
Werner 2014, S. 254
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 166
Deutsche Bundesbank 2024a, S. 117
Köbler 2022, S. 558