Echtes Wirtschaften entfaltet sich in der Assoziation, einem kooperativen Verbund aus Unternehmen, Konsumenten und z.B. Banken, der gemeinsame Aufgaben durch Dialog statt Konkurrenz löst. Hierbei basiert Kredit nicht auf materiellen Sicherheiten, sondern auf dem Vertrauen in zukünftige menschliche Fähigkeiten und die gemeinsame Aufgabe, um Einkommen zu finanzieren. Investitionen wandeln sich zu gegenseitigen Lieferungen von Produktionsmitteln innerhalb des Verbundes, jenseits von privatem Eigentum. Überschüsse dienen als interne Subventionen, um notwendige, aber nicht gewinnbringende Bereiche wie Bildung oder Naturschutz auszugleichen. Geld fungiert dabei als reines Gestaltungsmittel für das Gemeinwohl, das rhythmisch geschöpft und nach Erfüllung seiner Aufgabe wieder vernichtet wird.
von Michael Plein | Juli 2024
In diesem Artikel will ich anhand des Beispiels einer »Möbelassoziation« versuchen zu klären, wie ich mir das Kreditieren, Investieren und Subventionieren in einer Assoziation vorstellen kann. Das Beispiel ist stark vereinfacht und entspricht insofern nicht der Realität. Es kann aber helfen, deutlich zu machen, worum es in der Assoziation geht und wie das Geld eigentlich eine Buchhaltung ist, die durch den gesamten Wirtschaftsprozess hindurchgeht.
Die für die kreative Weltwirtschaft vorgestellten Begriffe vom Kreditieren, Investieren und Subventionieren sind nicht ganz leicht zu verstehen, weil sie zum Teil von den herkömmlichen Vorstellungen abweichen. Eine weitere Vorstellung, die dem Verständnis im Wege steht, ist, dass bisher ein Unternehmer ganz allein verantwortlich gegenüber der Bank steht, wenn er einen Kredit haben und auch wieder ablösen will. In der kreativen Weltwirtschaft muss Ich mir die Unternehmen immer in Assoziation, in einer Verwobenheit mit ihren Mitarbeitern, Lieferanten, Händlern, Konsumenten und Banken denken. An diesen Assoziationen können auch von der direkten Produktion weiter entfernte Unternehmen wie Forschungsinstitute, Grundschulen oder Naturschutzintiativen beteiligt sein, weil die Unternehmen ja gemeinsam für das Ganze arbeiten.
Ich betrachte das vereinfachte Beispiel einer Assoziation aus Forstbetrieb, Sägewerk, Möbelfabrik und Kunstschule zur Produktion von Möbeln. Diese vier Unternehmen wollen zusammenarbeiten, um ein bestimmtes Bedürfnis der Konsumenten nach Möbeln zu erfüllen. Die Konsumenten haben jetzt eine ganz neue Rolle, denn sie sind nicht bloß die Abnehmer, sondern sie sind mitverantwortliche Auftraggeber.59 Die Unternehmer müssen deshalb das Bedürfnis gemeinsam mit den Konsumenten klären und das erfordert wirklichen Dialog und ein erweitertes Verständnis vom Marketing, wobei es darum geht, Notwendigkeiten für andere zu lösen.[1]
Durch das Marketing ergibt sich die eigentliche Aufgabe, mit der Ideen für geeignete Produkte verbunden sind. Wenn das geklärt ist, können die Unternehmer die Mitarbeiter mit den für die Produktion benötigten Fähigkeiten berufen, mit den Mitarbeitern die Einkommen bestimmen und nicht zuletzt die Produktion und Beschaffung von Produktionsmitteln planen.
Hier wird also schon vieles im Voraus besprochen, überlegt und geplant. Diese vielen Klärungs- und Abstimmungsprozesse vollziehen sich zwischen all den Menschen, die selbst an dem Unternehmen beteiligt sind. Diese Menschen stehen in konkreten wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhängen. Man darf also die Assoziation nicht mit einer staatlichen Planwirtschaft verwechseln, bei der aus irgendeinem zentralen Ministerium oder einer bürokratischen Verwaltung über die Konsumtion und Produktion entschieden wird.
Dieser Prozess der Assoziation ist außerdem nicht nur für die Unternehmen notwendig, die Möbel, Turnschuhe, Eisenbahnbrücken oder Segelyachten herstellen. Auch Theater, Kindergärten, Universitäten oder politische Parteien sind Unternehmen, und sie müssen sich miteinander assoziieren, wenn sie ihre Aufgaben erfüllen wollen[2].
Nun würden die Vertreter aller Beteiligten (Unternehmen, Lieferanten, Mitarbeiter, Konsumenten, Subventionierte) in der Credit-Bank (C-Bank) zu Beratungsgesprächen zusammenkommen, um gemeinsam alle wesentlichen Fragen zu klären, damit die Möbelproduktion unternommen werden kann. Diese Fragen sind zum Beispiel: Welches Bedürfnis wurde bei den Konsumenten erkannt? Welche Ideen für Produkte sind daraus entstanden? Machen die Bedürfnisse und die Ideen Sinn im Ganzen? Können die Produkte die Bedürfnisse wirklich erfüllen? Welche Qualität sollen die Produkte haben? Welche Materialien und Rohstoffe kommen zum Einsatz? Wie werden die Rohstoffe in der Natur abgebaut? Wie wird die Natur mit den entstehenden Abfällen wieder aufgebaut? Welche Preise sollen die Möbel haben? Welche Fähigkeiten werden für die Produktion benötigt? Welche Bedürfnisse und damit Einkommen ergeben sich daraus bei den Mitarbeitern? Welche Produktionsmittel werden benötigt? Wie werden diese wiederum hergestellt? Kann die Assoziation die Verantwortung für die Ablösung der Kredite tragen? – und viele weitere Fragen.
An diesen Fragen ist schon zu erkennen, dass die Beratungsgespräche bei der C-Bank einen ganz anderen Charakter haben als heutige Bankberatungen, bei denen es um die Diskussion von Zahlen, Daten, Fakten, Berechenbarkeit und Profit geht. Bei den geistreichen Gesprächen in der C-Bank geht es vielmehr um wesentliche und kreative Aspekte, um Bedürfnisse, Fähigkeiten, Ideen, Qualitäten, Gemeinwohl und Sinn für das Ganze. Solche Beratungsgespräche erfordern Zeit, Gelassenheit, Augenhöhe und Dialogfähigkeit – sie enthalten außerdem Bestandteile persönlicher und demokratischer Weiterbildung.
In meinem Beispiel haben sich die Beteiligten nun in den Beratungsgesprächen darauf geeinigt, welche Kredite den an der Assoziation beteiligten Unternehmen gegeben werden sollen. Der Forstbetrieb erhält zur Produktion von Holz 10 Millionen Geldeinheiten (MGE), das Sägewerk zur Erzeugung von Möbelplatten 15 MGE, die Möbelfabrik zur Herstellung von Möbeln 30 MGE und die Kunstschule für die Entwicklung von Designmustern 5 MGE – insgesamt Kredite in Höhe von 60 MGE. Die C-Bank vergibt den Kredit, indem in ihrer Bilanz die Forderungen aus Krediten gegen die Verbindlichkeiten aus Guthaben gebucht werden (Abb. 1a). Damit ist das Geld geschöpft und die Unternehmen können ihre Guthaben verwenden, um damit insgesamt 60 MGE Einkommen an ihre Mitarbeiter zu zahlen (Abb. 1b).
Wie in den Artikeln über den Geldkreislauf, Kreditieren, Investieren und Einkommen beschrieben, ist für die Kreditierung der Unternehmen allein die Gesamtsumme der Einkommen entscheidend, weil das aus Krediten gegebene Geld nur für Einkommen ausgegeben werden kann. Auch das für Produktionsmittel ausgegebene Geld wird durch die Wertschöpfungskette zu Einkommen, weil am Ende immer ein Mensch die Arbeit macht. Geld für Zinsen oder Renditen aus den Unternehmen zu entnehmen ist sinnvollerweise ausgeschlossen.
Mit der Zahlung der Einkommen, fließen die Guthaben der Unternehmen bei der C-Bank auf die Konten der Konsumenten bei der Privat- und Konsumentenbank (B-Bank). Hier können die Konsumenten ihr Geld verwenden, um Dienstleistungen (Abb. 2b) und Waren zu kaufen. Kaufen die Konsumenten Waren aus der Produktion, fließt das Geld zurück an die Unternehmen (Abb. 2c) und wird auf Konten der Ausgleichs- und Assoziations-Bank (A-Bank) gesammelt – hier 20 MGE für das Sägewerk und 40 MGE für die Möbelfabrik (Abb. 3a). Der Forstbetrieb und die Kunstschule haben keine Einnahmen, denn sie verkaufen nicht direkt an Konsumenten. Der Forstbetrieb liefert ausschließlich Produktionsmittel und die Kunstschule nimmt keine Preise von ihren Schülern.
Berechne ich die Differenz zwischen den jetzigen Guthaben der Unternehmen bei der A-Bank und den bestehenden Kredit-Forderungen, hat das Sägewerk einen Überschuss von 5 MGE und die Möbelfabrik von 10 MGE, während der Forstbetrieb einen Unterschuss von -10 MGE und die Designschule von -5 MGE hat (Abb. 3a).
Theoretisch gehe ich in diesem Beispiel davon aus, dass alles Geld, das zuvor als Einkommen ausgegeben wird, nun als Einnahmen aus dem Verkauf für Waren wieder zu den Unternehmen zurückfließt. Die Einkommen der Mitarbeiter sollen ja so bestimmt werden, dass damit alle Waren und Dienstleistungen gekauft werden können, die verbraucht werden, um die Fähigkeiten der Mitarbeiter zu erneuern. Nun brauchen Menschen nicht nur Möbel, sie brauchen auch viele andere Waren und Dienstleistungen. In Wirklichkeit sind auch nicht nur die im Beispiel dargestellten vier Unternehmen assoziiert, sondern viele weitere Unternehmen. Auch ist die Assoziation selbst wieder mit anderen Assoziationen assoziiert, sodass sich ein komplexes Geflecht ergibt, in dem die Fähigkeitenströme, Warenströme und Geldströme ein geschlossenes Wirtschaftssystem bilden, welches für sich trag- und lebensfähig, also ökologisch ist. Das »geschlossene System« bedeutet hier nicht, dass es sich vom Ganzen, von der Weltwirtschaft absondert, sondern dass die Kreisläufe, insbesondere der Geldkreislauf, geschlossen sind.[3]
Für die Außenhandelsbeziehungen zu anderen Wirtschaftsgebieten, können aus dem System Waren und Produktionsmittel exportiert werden. Sie müssen dann aber im gleichen Maße wieder importiert werden, um den Kreislauf nicht zu stören. Die Außenhandelsbilanzen müssen also möglichst ausgeglichen sein.[4]
Das Gewebe der Assoziationen darf auch nicht an Staatsgrenzen gebunden vorgestellt werden. Die Assoziationen müssen sich aus ihrer Aufgabe heraus auch über nationale Grenzen hinweg bilden können, um bestimmte Projekte und Bedürfnisse zu bewältigen. Der Staat und die Politik haben die Aufgabe die rechtlichen Voraussetzungen, insbesondere in Bezug auf das Geldwesen, zu schaffen, ansonsten haben sie nicht über das Wirtschaftsleben zu bestimmen – hier entscheiden ausschließlich die konkret an den Wirtschaftsprozessen beteiligten Menschen, und das ist letztlich jeder selbst.
Nachdem alles umlaufende Geld durch den Verkauf von Waren zurückgeflossen ist, hat die A-Bank die Aufgabe, Investitionen und Subventionen innerhalb der Assoziation auszugleichen und Kredite bei der C-Bank abzulösen.
Im Beispiel der Möbel-Assoziation sieht das wie folgt aus: Der Forstbetrieb lieferte Holz an das Sägewerk für 7 MGE. Das Sägewerk lieferte Möbelplatten an die Möbelfabrik für 12 MGE und an die Kunstschule für 2 MGE. Außerdem lieferte die Möbelfabrik Büromöbel an die Kunstschule für 3 MGE (Abb. 3a). Damit entstehen in der Assoziation Verbindlichkeiten und Forderungen aus Lieferungen und Leistungen gegenüber den verbundenen Unternehmen. In der Summe ergeben sich aus den Investitionen nun Verbindlichkeiten an den Forstbetrieb von 7 MGE und an das Sägewerk 8 MGE (=7-12-3). Die Forderungen an die Möbelfabrik betragen 10 MGE (=12-2) und an die Kunstschule 5 MGE (=3+2).
Das Beispiel zeigt gut, dass Produktionsmittel innerhalb der Assoziation nicht verkauft und gekauft werden, sondern sie werden innerhalb der Assoziation geliefert und dann verrechnet – das ist ein rechtlicher und buchhalterischer Vorgang, der zunächst keine liquiden Mittel (Geld das zur sofortigen Zahlung bereit steht) benötigt. Produktionsmittel, die aus anderen Assoziationen geliefert werden, müssen dann mit eben diesen verrechnet werden. Investitionsgüter, die aus anderen Wirtschaftssystemen »importiert« werden, müssen jedoch als Außenhandel betrachtet werden.
In der Beschreibung der kreativen Weltwirtschaft ist mit Subvention gemeint, dass überschüssige Unternehmen aus Einsicht in die Notwendigkeit die unterschüssigen Unternehmen in der Assoziation »beschenken«, damit alle am Ende ihre Kredite ablösen können. Es gibt Unternehmen, bei denen sich die Gemeinschaft dazu entscheidet, dass die Waren keine kostendeckenden Preise erzielen sollen oder zum Nulltarif geliefert werden. In der Möbel produzierenden Assoziation ist es zum Beispiel die Kunstschule, deren Leistungen kostenfrei abgegeben werden sollen. Die Kunstschule liefert Möbelmodelle an die Möbelfabrik und sie unterrichtet Schüler, die aber kein Schulgeld bezahlen. Für eine Schule ist es nämlich wahrscheinlich wichtig, dass sie nicht »be-zahlt« werden muss, weil das was dort gemacht wird, sowieso nicht in Zahlen gemessen werden kann. In der Kunstschule entwickeln die Schüler ihre Kreativität, und daraus kann das »Produkt« der Kunstschule, möglichst schöne und nützliche Möbelentwürfe, entstehen. Der Förster kann keine Einnahmen aus dem Verkauf von Waren erzielen, weil er sein Holz nur innerhalb der Assoziation liefert und es nicht an Konsumenten verkauft. Deshalb hat man in der Assoziation beschlossen, die Kunstschule und den Förster zu subventionieren.
Nachdem die A-Bank die Investitionen ausgeglichen hat (Abb. 3b), hat der Forstbetrieb 7 MGE Forderungen aus Lieferungen und 10 MGE Kredit, was einen Unterschuss von -3 MGE ergibt. Das Sägewerk hat 8 MGE Forderungen, 20 MGE Einnahmen und 15 MGE Kredit, also 13 MGE Überschuss.
Die Möbelfabrik hat eine Verbindlichkeit von 10 MGE, Einnahmen von 40 MGE und Kredit von 30 MGE – das geht bei Null auf. Die Kunstschule hat Verbindlichkeiten von 5 MGE und Kredit von 5 MGE, was einen Unterschuss von -10 MGE ergibt. Der Überschuss des Sägewerks von 13 MGE kann nun verwendet werden, um die Unterschüsse von 3 MGE beim Förster und 10 MGE bei der Kunstschule zu subventionieren (Abb. 3c). Damit reichen die Guthaben aller assoziierten Unternehmen, um die Kredite zurückzuzahlen und zu tilgen.
Dem Chef des Sägewerks ist aus den Beratungsprozessen in der Assoziation klar, dass sein gutes Geschäft nur möglich ist, wenn der Forstbetrieb gutes Holz liefert und die Möbelfabrik schöne Möbel nach den kreativen Entwürfen der Kunstschule produziert. Es macht für ihn also Sinn, den unterschüssigen Unternehmen etwas zu »schenken«. Das Geld das hier »verschenkt« wird ist außerdem kein privates Geld des Unternehmers, weil es aus den Krediten der demokratischen C-Bank stammt – für dieses Geld verbürgt sich sozusagen die ganze Gesellschaft. Es ist also kein privates Geschenk, sondern ein Vorgang innerhalb der Produktion und Assoziation, deshalb ist es eine Subvention. Den Überschuss braucht der Chef des Sägewerks ohnehin nicht, denn sein eigenes Einkommen wurde bereits aus Krediten finanziert, die Investitionen sind ausgeglichen, seinen Kredit kann er ablösen und für weitere Unternehmungen erhält er neuen Kredit.
Nachdem von der A-Bank die Investitionen und Subventionen in der Assoziation ausgeglichen wurden, haben alle Unternehmen ausreichend Guthaben, um ihre Kredite bei der C-Bank abzulösen. Im letzten Schritt wird das Geld an die C-Bank überwiesen (Abb. 3d und 3a). Diese kann nun die Kredit-Forderungen ausbuchen, und damit das Geld wieder vernichten, indem sie genau die entgegengesetzte Buchung macht, durch die zu Beginn das Geld geschöpft wurde: Verbindlichkeiten aus Guthaben gegen Forderungen aus Krediten in der Höhe von insgesamt 60 MGE (Abb. 4b).
Nun muss der ganze Prozess und damit eine neue Wirtschaftperiode wieder von vorne beginnen. Ich schätze die Dauer einer solchen Wirtschaftsperiode auf ca. 3 Monate – eine solche Angabe kann aber keiner Kalkulation sondern nur der Orientierung dienen, weil die weltwirtschaftlichen Zusammenhänge komplex sind und grundsätzlich nur von denen richtig Beurteilt werden können, die selbst praktisch im Alltag an den konkreten Prozessen beteiligt sind. Deshalb müssen sich nun erneut alle an der Assoziation beteiligten über ihre Unternehmen, Bedürfnisse, Fähigkeiten, Ideen, Qualitäten, Gemeinwohl und Sinn für das Ganze beraten, um sich für die kommende Periode zu Kreditieren.
Die hier immer wieder erwähnten Beratungen und Abstimmungsgespräche werden in Zukunft sehr viel mehr erforderlich sein. Aus heutiger Sicht stellt sich die Frage, woher man die Zeit und das Geld für diese ständigen Gesprächsprozesse nehmen soll. Außerdem haben die meisten Leute die Erfahrung gemacht, dass Besprechungen und Diskussionen in Unternehmen anstrengend, langweilig und unproduktiv sind.
Es geht hier aber nicht um die üblichen Diskussionen, sondern es geht um Dialog. Der Dialog ist hierbei keine »nette Unterhaltung«, sondern ein Prozess durch den ein kreativer Geist hindurch geht. Im Dialog geht es darum sich miteinander, mit guten Ideen und der Zukunft zu verbinden. Dialog ist ein gemeinschaftlicher Erkenntnis und Schöpfungsprozess. Solche dialogischen Prozesse benötigen in der Tat viel Zeit, Geduld und Besonnenheit.
Ich gehe aber davon aus, dass das Geld nicht mehr knapp ist, wenn es von Spekulations- und Profit-Phantasmagorien befreit wird und so gehandhabt wird, wie es durch den Freiheitsprozess beschrieben ist.
Wenn kein Geldmangel mehr besteht, können alle die unsinnigen Tätigkeiten, die es heute gibt, um sich gegenseitig das Geld abzunehmen oder sich davor zu schützen, dass es einem abgenommen wird, zum Großteil entfallen: z.B. Werbung, Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung, Buchhaltung und Controlling, Finanzämter, Versicherungen, Wirtschaftsprüfung, Geldtransporte und Sicherheitsdienste, Herstellung von Tresoren, Trading und Aktienbörsen, Compliancemanagement, Revision, Finanzjuristen und Insolvenzverwalter, Inkasso und Gerichtsvollzieher, Regulierungs- und Aufsichtsbehörden u.v.m.
Ich gehe davon aus, dass durch die Beseitigung des Geldmangels mindestens 50% der heute als normal angesehenen Tätigkeiten zur Verwaltung, zum Schutz und zur Korruption des knappen Geldes entfallen können. Diese Zeit wird frei, um sich dem Dialog zu widmen. Insgesamt wird auch der Stress, der durch die Geldknappheit ständig auf jedem einzelnen Lastet entfallen. Nach meiner Erfahrung ist es außerdem so, dass ein dialogisches Gespräch, wenn es glückt, eine begeisternde und belebende Wirkung hat. Diese Gespräche machen Freude und dienen auch der eigenen Weiterentwicklung. Der Dialog ist eigentlich das interessanteste was man heute machen kann.
Kredite werden für die Zukunft geschöpft. Kredit bedeutet Vertrauen in die Unternehmer, ihre Mitarbeiter und deren zukünftige Fähigkeiten, in die menschliche Kreativität – und davon gibt es mehr als genug.
In der kreativen Weltwirtschaft bedeutet Kreditieren nicht die Einlagen anderer Bankkunden, also schon vorhandenes Geld zu verleihen, sondern Geld ganz neu zu schöpfen. Dieses Kreditgeld darf ausschließlich für sinnvolle Unternehmen geschöpft werden. Was sinnvoll und notwendig ist, müssen die Banken in geistreichen und sozialen Prozessen mit allen Beteiligten einer Assoziation beraten. Der Kredit wird nicht gegeben, um Profit zu machen.
Der Kredit wird gegeben, damit die Mitarbeiter der Unternehmen Einkommen erhalten, mit denen sie ihre wirklichen Bedürfnisse erfüllen können, die es ihnen ermöglichen ihre Fähigkeiten zu erneuern, damit diese in der Produktion verwirklicht werden können. Die Höhe der Kredite lässt sich nicht genau berechnen, sondern sie muss in einer sinnvollen Annäherung abgeschätzt werden.[5] Die Kredite müssen zinsfrei sein, weil sonst die Ablösung der Kredite zum Ende des Geldkreislaufs unmöglich ist, und weil Zinsen auf neu geschöpftes Geld sowieso keinen Sinn machen.
Kreditiertes Geld dient ausschließlich dazu, die Einkommen zu zahlen. Das neue Geld fließt vollständig in die Konsumtion, weil durch die gesamte Wertschöpfungskette hindurch am Ende immer ein Mensch die Arbeit macht. Nachdem das Geld von der Credit-Bank (C-Bank) durch Kredit neu geschöpft wurde, nimmt sein Weg durch den Wirtschaftsprozess seinen Anfang. Es fließt mit großem Schwung durch das Feld der Produktivität und wird für Einkommen ausgegeben. In die Beschaffung von Produktionsmitteln fließt kein Kreditgeld, weil die lieferenden Unternehmen ebenfalls Kredite für die Einkommen ihrer Mitarbeiter erhalten.
Das Diagramm vom Freiheitsprozess zeigt im rot hinterlegten Zentrum, wie der aufsteigende blaue Geldstrom einen Sog erzeugt, der den grünen Fähigkeitenstrom in die Produktion leitet, wodurch am unteren Pol die Waren entstehen können – dazu braucht das Geld den oben erwähnten Schwung. Sind die Waren am unteren Pol hergestellt, steigt vom unteren Pol aus der rote Warenstrom, gespiegelt zum Einkommensstrom, herauf.
Durch das Ausgeben von Einkommen verwandelt sich das Geld erst zu dem, was man sich herkömmlich vorstellt: Es wird zu »Tauschgeld« oder richtiger Kaufgeld. Im Lauf durch den Wirtschaftsprozess verwandelt sich das Geld und repräsentiert erst in der Konsumtion, wie gewohnt materielle Sachwerte, denn es ist nun durch Warenwerte gedeckt. Erst mit dem Aufstieg in die Konsumtion wird das Geld mit Warenwert gedeckt, sodass mit ihm Preise bestimmt und Dienstleistungen und Waren gekauft werden können.
Das Geld ist ursprünglich, bei der Kreditvergabe, nicht durch materielle Werte gedeckt. Das Kreditgeld ist deshalb aber nicht wertlos, sondern es ist durch »Zukunftsfähigkeiten« gedeckt. Es wird nicht aus dem »Nichts«, sondern aus der Zukunft geschöpft. Das ist wahrscheinlich ein ganz neuer Gedanke, dass die zukünftigen und geistigen Ideen und Fähigkeiten, also die Kreativität der Menschen, auch ein Wirtschaftswert sind und das dieser Wert durch das neu geschöpfte Kreditgeld symbolisiert wird. Am Anfang ist es vor allem das Vertrauen in die Unternehmer, ihre Mitarbeiter und deren zukünftige Fähigkeiten, was den Kredit ermöglicht. Bisher steht jedoch am Anfang jedes Kredites nicht das Vertrauen in die Zukunft, sondern das »Nichts«, aus dem angeblich das Geld geschöpft wird. Ich halte es für eine interessante Frage, was es bedeutet, wenn eine Kultur das »Nichts«, statt ihrer Fähigkeiten und ihrer Zukunft an den Anfang und damit in die Mitte ihres Geld- und Wirtschaftssystems stellt.[6]
Leute die nur realistisch Denken, meinen, das Geld müsse z.B. durch Edelmetalle oder durch eine Vorleistung oder einen Verdienst abgedeckt sein. Damit kann es Geld nur für Dinge die schon hergestellt sind geben, es wird also aus der Vergangenheit »geschöpft«. Mit dieser materialistischen Vorstellung verbarrikadiert man sich aber die Zukunft, denn man beschränkt sich selbst in der Möglichkeit Kreativität und in deren Folge Wirtschaftsleistung hervorzubringen. Das als Kredit geschöpfte Geld wird also zunächst auf geistige Werte bezogen – und diese sind unerschöpflich. Deshalb macht es Sinn, Geld durch Kredite als Buchgeld zu schöpfen, denn auch davon gibt es mehr als genug. Die Geldschöpfung an materielle und knappe Dinge zu binden – so wie es bei der »Kryptowährung« Bitcoin künstlich gemacht wird – ist absurd, denn dadurch wird die Möglichkeit geistiges Potenzial zu entfalten schon im Anfang begrenzt.
Der Spiegel aus durch Fähigkeitenwerte gedecktem Kreditgeld und durch Warenwerte gedecktem Kaufgeld ermöglicht den Wirtschaftsprozess, als wechselseitiges Aufbauen und Abbauen von Fähigkeiten und Waren mit wachsender Qualität, überhaupt in Bewegung zu bringen. Dadurch, dass rhythmisch neues Geld geschöpft wird und am Anfang eines Kreislaufs für Einkommen ausgegeben wird, kann alles produziert werden, was sinnvoll konsumiert wird und alles Geld strömt durch den Verkauf der Waren wieder zurück in die Produktion.
Mit dem Zurückströmen ist das Geld dann wirklich Wertlos, denn es repräsentiert ab diesem Punkt keine Warenwerte mehr, weil die Waren ja nun den Konsumenten zum Verbrauch übergeben sind.
Ab dem Zeitpunkt der Lieferung an den Konsumenten muss die Ware als verbraucht betrachtet werden, auch wenn sie in diesem Moment nicht plötzlich weg ist. Ich verbrauche eine Tafel Schokolade machmal in zehn Minuten, für eine Waschmaschine brauche ich zehn Jahre. Wer wann was verbraucht ist aber zum einen nicht nachvollziehbar und außerdem Privatsache.
Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Vorstellung, das durch Kredite geschöpfte Geld sei von Anfang an nichts Wert, ist es genau andersherum: das Geld ist am Ende seines Kreislaufs nichts mehr wert. Deshalb muss das Geld am Ende vernichtet werden, statt es als Profit aus dem Kreislauf zu nehmen. Für den nächsten Durchlauf, die nächste Wirtschaftsperiode, wird dann neues Geld durch Kreditierung der Unternehmen geschöpft.
Ich hatte erwähnt, dass das Geld nur in der Konsumtion ein Kaufgeld ist, was der allgemeinen Vorstellung vom Tauschmittel am nächsten kommt. Viele Leute stellen sich Wirtschaft gerne als Tauschhandel vor, weil es so naheliegend ist. Die allgemeine Definition für Geld, besagt dass eine der drei wesentlichen Funktionen von Geld die Tauschmittelfunktion ist[7]. Diese Vorstellung vom Tauschen ist aber fragwürdig:
Wenn ein Tausch ausgeführt wird, dann tauscht man eben ein Stück einer Ware A gegen ein Stück einer Ware B. Wenn jedoch zwei Stück einer Ware A gegen ein Stück einer Ware B getauscht werden, so handelt es sich gar nicht um einen Tausch, da bereits ein Preis im Sinne eines Wertverhältnisses existiert: Ein Stück A kostet zwei Stück B. […] Damit wird B zur Währung, um A kaufen zu können. Kostet ein Stück von A hingegen vier Stück der Ware C, dann ist der Preis von A in der Währung C eben vier Stück. Somit kann Geld niemals für einen Tausch verwendet werden, sondern immer nur zum Kauf. Weil mit Geld immer Preise bezahlt werden, ist der Einsatz des Geldes als Tauschmittel schon aus rein logischen Gründen unmöglich.[8]
Auch juristisch betrachtet ist tauschen nicht gleich kaufen. Der Kauf ist, vereinfacht gesagt die Übergabe des Eigentums einer Sache vom Verkäufer an den Käufer, wenn der vereinbarte Preis vom Käufer an den Verkäufer bezahlt wird.[9] Beim Tauschen wird, ohne das Geld im Spiel ist, ein bestimmter Gegenstand gegen einen bestimmten anderen Gegenstand »hingegeben«.[10]
Mir ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass in der Wirtschaft heute keine Tauschgeschäfte gemacht werden. Wir müssen weg von dieser naiven [11] Vorstellung von Tauschgeschäften. Damit bleibt die Vorstellung und damit auch die Realität von Wirtschaft nämlich auf haus- und privatwirtschaftliche Zusammenhänge begrenzt. Eine Gesellschaft die auf die Freiheit hinaus will, kann ihre Wirtschaft nicht durch Tauschen oder durch einen esoterisch verschwurbelten [12] »Energieausgleich« organisieren. Dafür sind die weltweit verwobenen Produktions- und Konsumtionsprozesse viel zu komplex.
Alle Menschen bringen ihre Fähigkeiten in die gemeinsame Produktion ein, um alles das herzustellen, was jeder Einzelne braucht. In der Weltwirtschaft gibt es keine direkten Tauschgeschäfte, sondern Ich arbeite immer für das Ganze und das Ganze arbeitet für mich. Erst dadurch können die Bedürfnisse vieler Menschen erfüllt werden, wodurch sich die Fähigkeiten weiterentwickeln und letztlich die Freiheit erweitert wird. Direkten Tauschgeschäfte würden eben nur eine Wirtschaft auf einem mittelalterlichen Niveau ermöglichen. In einer solchen Dorfwirtschaft ist differenzierte und freie Fähigkeitenbildung schwierig, weil die meisten Menschen Tag für Tag mit rudimentären [13] Tätigkeiten beschäftigt sind, bloß um ihre Grundbedürfnisse zu erfüllen. Da bleibt wenig Zeit für Yogakurse oder Buchlektüren.
Außerdem erzeugen Tauschgeschäfte Ungleichheit, Abhängigkeit und damit Unfreiheit. Beim Tausch werden ungleiche Sachen getauscht, sonst wäre der Tausch ja nicht notwendig – einer verliert immer. Der Tausch von Arbeitszeit, wie er in manchen »alternativen« Geldkonzepten betrieben wird, ist Lohnsklaverei. Hier wird Lebenszeit und damit die eigene Körperlichkeit getauscht und geschuldet und das ist unwürdig. Wenn ein Mensch eine Stunde lang den Rasen mäht und dafür von einem anderen Menschen eine Stunde lang Klavierunterricht bekommt, werden die einzigartigen Fähigkeiten der Menschen völlig missachtet. Fähigkeiten sind un-be-zahl-bar, sie können nicht in Zahlen oder Minuten beziffert werden, schon garnicht im Verhältnis 1:1.
In der kreativen Weltwirtschaft bedeutet Investieren, dass sich Unternehmen gegenseitig Produktionsmittel liefern. Die Produktionsmittel müssen nicht gekauft werden, weil sie im Gesamtzusammenhang bereits finanziert sind.
Investieren bedeutet in der kreativen Weltwirtschaft nicht, Unternehmensanteile zu erwerben, also privates »kreatives Geld« (K-Geld) aus der Konsumtion in der Produktion anzulegen, um Unternehmen Liquidität zu verschaffen und später Renditen zu entnehmen – das ist »falsches Investieren«. Wirkliches Investieren bedeutet, dass die an der Produktion beteiligten Unternehmen sich gegenseitig Produktionsmittel, also Investitionsgüter liefern.
Das Kreditieren sinnvoller Unternehmen ist nur in dem Bewusstsein möglich, dass der Einzelne nicht arbeitet, um sich selbst zu versorgen, sondern dass jeder seine besonderen Fähigkeiten einsetzt, um alle anderen zu versorgen, während alle anderen dafür arbeiten, dass der Einzelne alles hat, was er braucht. Das Ganze ist also keine Privatsache, sondern es ist nur möglich, wenn es als gemeinschaftliches und gesellschaftliches – als soziales – Unternehmen erkannt wird.
Produktionsmittel sind deshalb kein Privateigentum, sondern, solange sie benötigt werden, Unternehmereigentum. Die Investitionen im eigentlichen Sinne sind die Lieferungen von Produktionsmitteln. Der Wert der gegenseitigen Lieferungen wird durch die Ausgleichs-Bank (A-Bank) zwischen den verbundenen Unternehmen verrechnet. Die Investitionsgüter können nicht gekauft werden, da auch die liefernden Unternehmen kreditiert werden. Damit sind die Einkommen deren Mitarbeiter und somit die Produktionsmittel bereits vom Sozialen Ganzen finanziert.[14]
Das Investieren und damit das Liefern innerhalb der Produktion, ist so ähnlich wie das Leihen im privaten Bereich. Leihen bedeutet, dass der Verleiher dem Entleiher eine Sache auf Zeit unentgeltlich zum Gebrauch überlasst.[15] Die liefernden Unternehmen »leihen« das Investitionsgut, für die Zeit für die es gebraucht wird. Der Bereich der Produktion ist aber nicht privat, denn hier arbeiten ja alle zusammen (vgl. Universelle Zusammenarbeit), um zu schaffen was notwendig ist. Die Produktionsmittel gehen also aus dem sozialen Zusammenhang hervor und damit verwandelt sich das Leihen zum Investieren. Das Investitionsgut muss nicht, wie beim privaten Leihen, nach der Leihzeit zurückerstattet werden – es wurde ja bereits Verrechnet und damit von der Allgemeinheit finanziert.
Solange die Produktionsmittel von dem belieferten Unternehmen benötigt werden, hat es Verfügungsrecht an ihnen – der Unternehmer kann frei über sie verfügen. Wird z.B. eine Maschine oder ein Lagerbestand von Vorprodukten bei dem belieferten Unternehmen nicht mehr benötigt, können diese Produktionsmittel aber nicht einfach verkauft werden. In dem Moment wo die Produktionsmittel nicht mehr benötigt werden, hat weder das liefernde noch das belieferte Unternehmen das Eigentum. Deshalb kann das belieferte Unternehmen das Produktionsmittel nicht weiterverkaufen und das liefernde Unternehmen kann es nicht zurückfordern.
Das Eigentumsverhältnis ist weder ein kapitalistisches Privateigentum, noch ein kommunistisches Gemeineigentum, sondern es ist Eigentum in der Verantwortung der Assoziation. Die Assoziation ist jetzt verantwortlich dafür, darüber zu beraten, ob diese Produktionsmittel sinnvoller Weise an ein anderes Unternehmen geliefert werden, weil sie dort grade benötigt werden, oder ob und wie sie als aufbauender Abfall in die Natur zurückgeführt werden.
Die Über- und Unterschüsse aller Unternehmen gleichen sich im Ganzen aus – in Zukunft kann jedes sinnvolle Unternehmen unbürokratisch subventioniert werden.
Nach der gängigen Definition sind »Subventionen finanzielle staatliche Zuschüsse, die nicht an eine direkte Gegenleistung gebunden sind.« Der Staat gibt Finanzhilfen oder Steuervergünstigungen, um den Strukturwandel, den Erhalt oder die Produktivität bestimmter Unternehmen, Branchen oder Regionen zu fördern.[16] Das Geld kommt vom Staat. Wer, wofür, wie viel bekommt, wird durch Politiker und zentrale Stellen entschieden. Oft ist mit der Beantragung und dem Erhalt von Subventionen ein hoher bürokratischer Aufwand verbunden. Auch wenn mit Subventionen keine direkte Gegenleistung verbunden ist, gibt es oft strenge und genaue Vorschriften für die Verwendung der Gelder.
In der kreativen Weltwirtschaft ist »Subvention« etwas anders gemeint. Die ursprüngliche Bedeutung von Subvention ist Hilfeleistung oder Beistand, aber auch »in die Gedanken kommen«.[17]
Die Unternehmen, die sich miteinander assoziiert haben, die also gemeinsam an der Verwirklichung einer bestimmten Aufgabe arbeiten, vereinbaren sich gegenseitig Hilfe zu leisten, sich beizustehen und sich zu »beschenken«.
Subventionieren bedeutet, dass die assoziierten Unternehmen sich darüber beraten, dass sie »in die Gedanken kommen«, wie die Über- und Unterschüsse so untereinander ausgeglichen werden, dass jedes beteiligte Unternehmen seine Kredite ablösen kann. An diesen Beratungen sind vor allem diejenigen beteiligt, die mit den tatsächlichen Prozessen, mit der praktischen Arbeit zu tun haben. Subventionen sind keine politische oder staatliche Sache, sondern eine wirtschaftliche und unternehmerische.
Die Betrachtung des Geldkreislaufs hat gezeigt, dass alles zu Beginn kreditierte Geld am Ende zu den Unternehmen im Feld der Produktion zurückfließt. Dabei machen manche Unternehmen Überschüsse, andere Unterschüsse. Überschuss bedeutet, das Unternehmen hat mehr eingenommen, als es für Einkommen ausgegeben und als Kredit erhalten hat. Unterschuss bedeutet, das Unternehmen hat weniger eingenommen, als es für Einkommen ausgegeben und als Kredit erhalten hat. In der Summe bleibt die Geldmenge dieselbe. Die überschüssigen Unternehmen haben mehr Geld als sie brauchen, um ihre Kredite abzulösen. Die unterschüssigen Unternehmen haben zu wenig Geld, um ihre Kredite abzulösen. Insgesamt ist aber alles Geld da, um alle Kredit abzulösen.
Es gibt Unternehmen, bei denen sich die Gemeinschaft dazu entscheidet, dass die Waren keine kostendeckenden Preise erzielen sollen oder zum Nulltarif geliefert werden – zum Beispiel Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, öffentlicher Nahverkehr, Universitäten und Schulen, Naturschutzinitiativen oder demokratische Bildung.
Auch diese Unternehmen erhalten von der Credit-Bank (C-Bank) Kredit, um ihren Mitarbeitern ein volles Einkommen zu geben. Es ist aber bereits vorher klar, dass diese Unternehmen zum Ende des Geldkreislaufs einen Unterschuss erwirtschaften – die Einnahmen werden niedriger sein, als der Kredit, der zu Beginn gegeben wurde.
Wie bereits beschrieben, fließt alles zu Beginn des Geldkreislaufs als Kredit gegebene Geld als Einkommen zu den Konsumenten. Wurden deren Bedürfnisse, die Preise und damit auch die Einkommen richtig eingeschätzt, wird alles Geld verwendet, um Waren zu kaufen, womit dann alles Geld wieder zu den Unternehmen zurückfließt. Wenn dann Unternehmen unterschüssig sind, bedeutet das, dass andere Unternehmen gleichzeitig Überschüsse erwirtschaften, denn das Geld das zu den unterschüssigen Unternehmen nicht zurückfließt, fließt zu einem anderen Unternehmen, bei dem die Konsumenten bereit sind, Preise zu Bezahlen die über den Produktionskosten liegen.
Damit jedes Unternehmen seinen zu Beginn erhaltenen Kredit ablösen kann, müssen zum Ende des Geldkreislaufs die Über- und Unterschüsse zwischen den Unternehmen ausgeglichen werden. Der einzelne Unternehmer muss also seinen »Profit« hergeben. Das klingt im ersten Moment vielleicht befremdlich, es ist aber logisch, dass der Einzelne den Überschuss verzichtet, weil das aus drei Gründen zu seinem eigenen Vorteil ist.
Erstens: Der durch Kredite finanzierte Wirtschaftsprozess dient nicht dem Profit, sondern dem Benefit. Er ist ein gemeinwohlorientiertes gemeinschaftliches Unternehmen, bei dem am Ende alle gewinnen. Den Gewinn zu verschenken, bedeutet etwas aus Liebe zur Sache zu Geben, im Vertrauen darauf das der Beschenkte sich weiter der Sache hingeben kann und wird – ohne dafür etwas vorzuschreiben oder zu erwarten. Die Sache, um die es hier im Ganzen geht, ist die Entwicklung der Fähigkeiten des Menschen und der Freiheit der Menschheit.
Zweitens: Der Unternehmer braucht keinen Überschuss, denn sein eigenes Einkommen wurde bereits durch Kredit finanziert, seine Investitionen wurden ausgeglichen und für zukünftige Vorhaben wird er erneut Kredit bekommen.
Drittens: Als Konsumenten müssen Unternehmer, wie alle anderen Konsumenten, nicht sparen oder vorsorgen, denn der Wirtschaftsprozess wird rhythmisch immer wieder durch neu geschöpftes Geld in Bewegung gehalten, wodurch jeder Mensch sein Einkommen erhält und seine Bedürfnisse erfüllt – auch die, die nicht direkt produktiv tätig (z.B. im Ruhestand) sind.
Es macht also Sinn, dass die überschüssigen Unternehmen den unterschüssigen Unternehmen etwas »schenken«. Es ist aber kein privates Geschenk, sondern ein Vorgang innerhalb der gemeinschaftlichen Produktion und Assoziation, deshalb ist es eine Subvention. So kann in Zukunft jedes sinnvolle Unternehmen unbürokratisch finanziert werden.
60 Glasl/Lievegoed 1993, S. 74-75 u. 86-87
61 Schmundt 1982, S. 16
62 Schmundt 1977, S.
63 Schmundt 1977, S.
64 LaRouche 2010, S. 72
65 Lietaer 1999, S. 128
66 https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/geld-32540/version-256083 (abgerufen 15.6.2024, 10:00 Uhr)
67 Hörmann/Pregetter 2011, S. 176-177
68 Köbler 2022, S. 262
69 Köbler 2022, S. 462
70 natürlich, kindlich, unbefangen, arglos, treuherzig, einfältig
71 sich unnötig kompliziert oder gespreizt ausdrücken, sich realitätsfern, rational nicht oder kaum nachvollziehbar äußern https://www.dwds.de/wb/schwurbeln, abgerufen 23.6.2024 20:35 Uhr
72 lat. rudis ‘unbearbeitet, ungebildet, kunstlos, roh, wild’ (s. rüde). rudimentär Adj. ‘unvollständig, rückgebildet, verkümmert’ https://www.dwds.de/wb/rudimentär, abgerufen 23.6.2024 20:30 Uhr
73 Bader 2016, S. 53-56
74 Köbler 2022, S. 294
75 https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/handwoerterbuch-politisches-system/202192/subventionen/ (Abruf 14.7.2024 11:10)
76 von spätlat. subventio (Genitiv subventiōnis) ‘Hilfeleistung, Beistand’, zu lat. subvenīre ‘(von unten) herankommen, zu Hilfe kommen, beistehen, in die Gedanken kommen’ (vgl. lat. venīre ‘kommen’) https://www.dwds.de/wb/Subvention, (Abruf 14.7.2024 10:25)